Mittwoch, 10. Mai 2017

problematisch gebildet

Das haben wir nun davon. Da penetriert man uns seit etlichen Jahren mit der Phrase von „mehr Bildung“ und startet „Bildungsoffensiven“ für eine „Bildungsrepublik“. Doch wenn das dann scheinbar erfolgreich war, ist das keineswegs großartig, sondern nur ein neues Problem.

Man macht Eltern heute spätestens ab dem Kindergarten völlig verrückt, sich vorsorglich zur Einschulung verstärkt Sorgen um ihre Kinder zu machen. Und wehe, wenn nicht. Eltern, die das unverantwortlich lockerer sehen und sich partout keine Probleme einreden lassen wollen, wird schnell die Hölle heiß gemacht.

Schließlich geht es um Bildung. Und damit ist nicht zu Spaßen. Lernfreude hin oder her, das muss ernstgenommen werden. Es steht immerhin die ganze Zukunft des Kindes auf dem Spiel. Es gibt tatsächlich Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen, die Kindern mit der Berufskarriere eines Müllmanns oder einer Putzfrau drohen.

Auf diese Weise getrimmt, haben Eltern in den letzten Jahren verstärkt darauf hingewirkt, dass ihr Nachwuchs nicht nur auf das Gymnasium geht, sondern dort auch das Abitur macht. Und so sind wir nun bei einer Rekordzahl von Abiturienten gelandet. Das wird jedoch keineswegs bejubelt.

Im Gegenteil klagt man jetzt über eine „Abiturientenschwemme“. In einer Reportage des WDR-Fernsehens wurde Eltern pauschal vorgeworfen, ihre Kinder unnötig zum Abitur zu treiben. Wo doch für so viele Berufe der Real- oder Hauptschulabschluss völlig ausreichen würde.

Im direkten Anschluss an diese Sendung folgte eine zweite Reportage, in der eine Krankenschwester erklärte, wie wahnsinnig die Digitalsierung in den Krankenhäusern in den letzten paar Jahren zugenommen und durchgehend mit Computern aller Art zu arbeiten hätte. 
Anschließend wurde ausführlich erläutert, wie enorm sich der Beruf des Technischen Zeichners verändert hat. Und das noch ganz abgesehen von früheren Kfz-Mechanikern, die heute -Mechatroniker genannt werden.

Aber nein: Diese Abiturientenschwemme ist ein Problem! Von einer „Entwertung des Abiturs“ ist jetzt die Rede. Man freut sich also nicht über eine „besser gebildete“ Generation, sondern unterstellt, dass heute wohl jeder Depp fähig ist, Abitur zu machen. 

Konsequenz: Man will prompt „das Abitur erschweren und die Messlatte höher legen“. So kann man in ein paar Jahren wieder jammern, dass die Zahl der Abiturienten eingebrochen ist, unsere Kinder offenbar zu dumm sind, die Zukunft Deutschlands in Gefahr ist, dass wir unbedingt mehr Bildung brauchen und alles wieder von vorn.