Montag, 30. April 2018

unbedingt verarbeitet

Pünktlich zum bevorstehenden „Tag der Arbeit“ muss offenbar unbedingt wieder das „Bedingungslose Grundeinkommen“ (BGE) aus der Themenschublade gekramt werden. Und wie gewohnt klammert man sich dabei an Altgewohntes. Notwendige Veränderungen hin oder her: Hauptsache, alles bleibt, wie es ist.

Der Philosoph Richard David Precht meint, ein BGE würde – endlich – ermöglichen, dass sich Menschen losgelöst vom Arbeitszwang voll und ganz ihrer Selbstverwirklichung widmen könnten – und ist u.a. deswegen ein Befürworter des BGE.

Genau damit jedoch bedient Precht unfreiwillig sehr kontraproduktive Klischées und Glaubenssätze auf Seiten der BGE-Gegner. Demnach nämlich ist das BGE in erster Linie für arbeitsscheue Faulpelze eine tolle Sache und quasi noch eine „Belohnung für Faulheit“. Und das kann natürlich nicht sein.

Das ist nicht gerade rational gedacht, sondern deutlich zu kurz. Doch wer den Mythos Arbeit so als Überzeugung in seinem Kopf festsitzen hat, für den hat jetzt die SPD die Mogelpackung eines „soldarischen Grundeinkommens“ gebastelt, statt eines bedingungslosen – vor allem, um als Partei irgendwie den „Hartz IV“-Makel loszuwerden.

Manch ein vermeintlicher Experte sieht das BGE als Auffangnetz für Menschen, die unverschuldet durch die Digitalisierung keinen Job mehr bekommen. Denn das werden schließlich immer mehr: Rund 50% der heutigen Arbeitsplätze drohen in den nächsten Jahren ersatzlos wegzufallen.

Aber: nein! Alles falsch. Das Schicksal des Einzelnen interessiert die Politik ohnhin erst und nur dann, wenn viele, viele Einzelne zu einer Masse werden, etwa an Wahltagen. Und was sollte es Müller schon interessieren, ob Nachbar Meier ein BGE bekommt? Müller bekommt es selbst schließlich auch.

Der eigentliche Knackpunkt ist ein ganz anderer. Unsere gesamte Gesellschaft steht vor einem Kollaps. Denn unsere Gesellschaft ist eine Konsum-Gesellschaft, die nicht mehr funktioniert, wenn mangels Einkommen kaum noch konsumiert werden kann. Die Menschen müssen auch völlig Überflüssiges sinnlos konsumieren können.

Anders gesagt: Wenn (Millionen) Menschen nur noch am Rande des Existenzminimums dahin vegetieren, und nicht genügend Geld „übrig“(!) haben, um zu konsumieren, dann bricht die Konsumgesellschaft zusammen. Und das dürfte deutlich problematischer werden, als Einzelne „für Faulheit zu belohnen“.

Doch so lange praktiziert man lieber ein anderes bewährtes Mittel: Es war schon immer sehr leicht, Menschen gegeneinander aufzuhetzen. In diesem Fall vermeintlich fleißige auf vermeintlich arbeitsscheue – und wartet so lange, bis sich das Thema medial erledigt hat.

Montag, 2. April 2018

sozial erschüttert

Eine Welt ohne „Facebook“, „Google“, „YouTube“ & Co. Für die jüngere Generation kaum vorstellbar. Doch in relativ kurzer Zeit konnten wir gleich zwei Mal erahnen, wie diese zeitgeistigen „Sozialen Medien“ ihr klägliches Ende finden werden.

Anfang des Jahres sprach der Marketingvorstandschef von „Unilever“, Keith Weed, auf einer Werbekonferenz in Kalifornien: „Unilever wird nicht auf Plattformen werben, die zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen und den Jugendschutz vernachlässigen. Fragwürdige Inhalte schaden dem sozialen Vertrauen, den Nutzern und der Demokratie“.

Das war eine glatte Drohung. Denn das jährliche Marketing-Budget des britisch-niederländischen Unternehmens beträgt angeblich rund 9,8 Milliarden Dollar, wovon rund ein Viertel auf „Soziale Medien“ verteilt sind. Und das… ist eben nur einer von vielen Konzeren. Und damit erst der Anfang.

Und nun, knapp drei Monate später, ist es ein Datenskandal um „Facebook“, der einige Großkonzerne veranlasst hat, ihre Werbung sofort zu stoppen und ihre Profile vorerst stillzulegen. Eine weitere kleine Machtprobe, die aus (u.a.) „Facebook“ plötzlich ein ohnmächtiges, kleines, abhängiges Lichtlein macht.

Im November 2017 froren u.a. die Deutsche Bank, Adidas und Mars ihre Werbung bei „YouTube“ ein, als sich dort fragwürdige, radikale und Gewalt-Videos anhäuften. „YouTube“ wiederum ist eine „Google“-Tochter. Und bei diesen beiden ist es kaum anders als bei „Facebook“, das sich zu 98% aus Werbegeldern finanziert. Genau so und genau deshalb werden diese Noch-„Riesen“ irgendwann in einem Wölkchen aus Nullen und Einsen verpuffen.

Das Ganze „Soziale“ ist schließlich nichts weiter als ein Geschäftskonzept und reines Business. Und sonst gar nichts. Sobald damit nichts mehr zu verdienen sein wird, hat es sich mit dem „Sozialen“ erledigt. Und dann wird sich die Generation der „Digital Natives“ plötzlich im digitalen Vakuum wiederfinden und nicht wissen, wohin mit ihren Videos und Selfies.

Wir werden uns auch daran gewöhnen. Jedenfalls ist hier kein Untergangsszenario gemeint, sondern man kann sehr gespannt sein, was auf die „Sozialen Medien“ folgen wird. Dioch sicherlich wieder nichts, das man sich aus unserer digitalen Gegenwart kurzerhand in die Zukunft denkt.