Donnerstag, 13. September 2018

gestammelt diskriminiert

Wie man kürzlich erleben durfte, geht es sogar beim Weltklasse-Damen-Tennis inzwischen sexistisch zu. Doch nicht etwa, weil im Damentennis keine Herren spielen dürften. Sondern aus Gründen von diskriminierenden Punktabzügen. Das liegt jedoch eher an der neuen Mutwilligkeit, überall Diskriminierung sehen zu wollen.

Kürzlich verlor der Tennis-Star Serena Williams ein bedeutendes Finale leicht überraschend gegen eine Nachwuchsspielerin. Während des Spiels beeindruckte Williams jedoch weniger durch Ball- als vielmehr durch Wortwechsel, nämlich mit dem Schiedsrichter. Und zur Strafe erhielt der Star mehrere Punktabzüge.

Gegenüber den Medien erklärte Frau Williams die Vermutung, der Schiedsrichter hätte bei einem Match unter Männern sicher nicht solche Strafen ausgesprochen. Und das sei sexistisch. Von Rassismus konnte Williams auch kaum sprechen, denn ihre Gegnerin war eine vom Schiedsrichter völlig unbehelligte Japanerin.

Sowohl Vorwürfe von Rassismus als auch Sexismus musste einen Tag später dagegen jedoch ein Karikaturist erleben, der für eine Zeitung in den USA eine Zeichnung anfertigte, die Frau Williams auf einem Tennisplatz vor Wut schnaubend darstellte. Mutwillige Konfrontation geht inzwischen (auch) vor jedem Humor.

Erstaunlich, dass in den folgenden Tagen in den sozialen Medien" keine MeToo"-Kampagne startete, in der eine Unmenge an Sportlern eingestanden hätte, auch schon einmal verloren zu haben - und jetzt im Nachhinein prompt den Mut gefunden hätten, irgendeine Diskriminierung darin zu erkennen. Doch so ahnen wir jetzt immerhin, warum Schalke 04 in der Bundesliga noch nie Meister wurde.

Man könnte zu Serena Williams eine kleine Parallele sehen zu diesem Fußballspieler Mesut Özil, der vor einigen Wochen auf eine gewisse Kritik an ihm u.a. mit „Rassismus“-Vorwürfen konterte. So wurden aus Fußballfans kurzerhand Rechtsradikale, mutwillig und willkürlich und sämtliche („sozialen“) Medien sprangen darauf an.

Das hat sich in letzter Zeit verbreitet etabliert: bequeme und einfache „Hashtag“-Denke im Schlagwortmodus, maximal in „Twitter“-Länge. Wenn das solche Folgen produziert, wäre das bedenklich genug. Doch schlimmer noch, wenn über diese Folgen genauso kurzgestammelt gedacht und geredet wird.