Mittwoch, 6. Februar 2019

beeindruckend erschlagen

Kürzlich war in „Spiegel Online“ mal wieder ein Kommentar zum Thema Klimawandel zu lesen: „Argumentationstricks: So entlarven Sie die Schwätzer“ legt nahe, dass Skeptiker unlautere Absichten hegen würden. Dabei findet man Trickserei und Geschwätz auch auf der anderen Seite; mit welchen Absichten auch immer.

Das Klima ist auch zwischenmenschlich stark belastet. Lässt jemand nicht sofort eindeutig die Mehrheitsmeinung erkennen, der globale Klimawandel sei menschengemacht, wird es ärgerlich. So jemand gilt schlagartig bestenfalls als Skeptiker, beliebter jedoch als glatter „Leugner“, quasi Ungläubiger. In dieser Rhetorik hätten wir auf der anderen Seite damit… Klima-Gläubige.

Zwar kann man in unserer achso toleranten Gesellschaft inzwischen sogar sein angeborenes Geschlecht leugnen und sich für „weder-noch“ („divers“) erklären: „Genderneutralität“. So tolerant sind wir. Doch zu einem (menschengemachten) Klimawandel hat man sich bitte klar zu bekennen. Da hört die Toleranz auf.

„Leugner“ werden dann schon einmal kurzerhand gnadenlos als „AfD“-Sympathisanten und potenziell Rechtsradikale geächtet – weil schließlich diese Partei den Klimawandel bezweifelt. Wer so etwas trötet, vertritt wahrscheinlich beim Tempolimit dummerweise zufällig selbst eine „AfD“-Position.

Wetter oder Klima: hängt davon ab
Da erzählt man uns ständig, von der aktuellen Wetterlage könne nicht auf das globale Klima rückgeschlossen werden, zwischen Wetter und Klima gäbe es schließlich einen Unterschied – andererseits erklärt man uns, wie schlimm der Klimawandel unser Wetter verändern wird. Doch man hüte sich tunlichst vor solch zwinkernd-ironischen Sätzen. Der Klima-Gläubige versteht da keinen Spaß.

Also: Wetter und Klima unterscheiden sich! Allerdings wohl eher bedingt. Auf der diesjährigen „didacta“-Bildungs(!)messe in Köln nämlich wird der Diplom-Meteorologe Sven Plöger am 21.02. um 13h00 einen Vortrag halten. Der bekannte TV-„Wetterfrosch“ wird als „Klimaexperte“ referieren: „Klimawandel ist mehr als hitzefrei“. Ach, sieh an. Na, was denn nun.

Der beträchtliche Unterschied ist wohl nur bei Bedarf einer. Wenn richtige Klimaforscher gerade leider keine Zeit haben oder zu hohe Honorare fordern, dürfen uns problemlos auch Astrophysiker über den irdischen Klimawandel belehren. Etwa die multikompetenten Ranga Yogeshwar und Harald Lesch, die zur besseren Tarnung dieser Fragwürdigkeit als „Wissenschaftsjournalisten“ bezeichnet werden. Beim Klimawandel ist man offenbar höchst flexibel – jedenfalls solange es sich um das bevorzugte Katastophenszenario dreht.

Im Mainstream schwimmend: Die sagenhaften 97%
Apropos: „richtige Klimaforscher“. Auch das: ein recht flexibler Begriff. Der durchschnittliche Klima-Gläubige fragt sich (u.v.a. auch) nicht, warum die Klima-Forschung eigentlich nicht Klima-Wissenschaft heißt. Dabei sind Forschung und Wissenschaft ebenso wenig dasselbe wie Wetter und Klima. Man nimmt es nur so genau, wie man es gerade braucht.

Perfekt in den Klima-Glauben passte vor allem eine Meldung, wie sie im Juni 2017 u.a. in den „Tagesthemen“ medial verbreitet wurde: „97% der Wissenschaftler sind sicher, dass der Klimawandel größtenteils menschengemacht ist“. Na, dann. Wer jetzt noch zweifelt, muss schon ein Vollidiot oder naiver Verschwörungstheoretiker sein. Schublade zu.

Wer jedoch gar nicht erst zwischen Forschung und Wissenschaft unterscheidet, dem fällt in solch einer Meldung natürlich auch nicht auf, dass darin gar nicht explizit auf Klimaforscher verwiesen wird, sondern auf „Wissenschaftler“ ganz allgemein, womöglich also Ernährungs- und Politikwissenschaftler eingeschlossen(?).

Solche Überlegungen scheint man sich angesichts einer derart gewaltigen Zahl von 97% wohl sparen zu können. Leider jedoch stolpert der Klima-Gläubige auch über eine andere knifflige rhetorische Feinheit: 97% „der“ Wissenschaftler heißt eben noch lange nicht „aller“ – sondern eben nur derjenigen, die befragt wurden; seien es auch nur zwölf. Man darf es nicht erfahren.

Vom Eindruck erschlagen
Und dann ist da noch die berüchtigte „Hockeyschlägerkurve“: Eine statistische Grafik, wonach die globale Durchschnittstemperatur seit der Industrialisierung in einer rasanten Kurve nach oben geht. Unter diesem Eindruck will dem Klima-Gläubigen gar nicht auffallen, dass immer nur diese eine Grafik gezeigt wird. Wie bei den gewaltigen 97% (s.o.) interessiert nicht, was eigentlich hinter den ganzen klimatischen Zahlen, Daten und Statistiken steckt.

Etwa der Kniff, mit Bezugsgrößen zu hantieren. Ungefähr so, wie Flugreisen dreimal sicherer sind als Bahnfahrten: Denn pro zurückgelegtem Kilometer sterben bei Unfällen mit der Bahn dreimal mehr Menschen als bei Flugunglücken. Es verhält sich jedoch exact umgekehrt, wenn man als Bezugsgröße nicht die Strecke, sondern die Reisedauer wählt. Dann ist Bahnfahren plötzlich dreimal sicherer als Fliegen. Statistik ist, wenn man sich frei aussuchen kann, was man (anderen) gerade „beweisen“ will.

Die Kirchen haben Gott, Sekten haben ihre Gurus, der Klima-Glaube hat die Wissenschaft: Ein (übrigens: sehr irrationales) unerschütterliches Urvertrauen bis zur Hörigkeit in das, was „Wissenschaftler sagen“. Das wäre so noch voll in Ordnung, würde der durchschnittliche Klima-Gläubige nicht darauf bestehen, „zu wissen“, und mit diesem Second-Hand-„Wissen“ Mitmenschen aburteilen, die sich eigene Gedanken machen.

Doch im Gegenteil. Der Klima-Gläubige fordert vom Ungläubigen Nachweise und Beweise, aber bitte „von ernstzunehmenden Wissenschaftlern“ – als könne er beurteilen, wer dazugehört. Viel schlimmer noch hat er in aller Regel nicht die geringste Ahnung, wie der Wissenschaftsbetrieb an sich funktioniert; nicht einmal, welche Naturgesetze hier überhaupt wirken. Auch das wäre nicht besonders schlimm, würde man nicht dennoch darauf bestehen, wissend zu sein.

Verblendet vom strahlenden Image der Wissenschaft, dem Image von Präzision, Exactheit und Beweiskraft, wird jeder Hauch eines Zweifels daran als „bloße Spekulation“ abgetan. Dabei ist Klimaforschung vor allem genau das: etliche Daten müssen schlichtweg geschätzt werden, etliche andere werden gar nicht erst einbezogen. Man glaubt den Herren Wissenschaftlern trotzdem.

Dahinter wiederum verbirgt sich der Glaube, dass sich so ziemlich alles berechnen und kalkulieren lässt, mit je mehr Daten umso präziser, mit den heutigen Hochleistungscomputern sowieso, kein Problem. Jedoch: von wegen. Das Naturgesetz, das Wetter und Klima zugrunde liegt, ist nämlich Chaos. Und das ist grundsätzlich völlig unberechenbar, ganz egal mit welcher Masse an Daten.

Das könnte auch jeder Klima-Gläubige innerhalb von zwei Minuten googeln. Doch weil er das offenbar nicht tut, kann ihm (u.a.) ein Harald Lesch mit erhobenem Zeigefinger mahnend erzählen: „Mit Naturgesetzen kann man nicht verhandeln“. Das stimmt natürlich. Er sagt aber nicht dazu, dass es sich bei diesem Naturgesetz um – unberechenbares – Chaos handelt, siehe oben. Warum wohl nicht.

Ich selbst frage mich vor allem, was dermaßen viele Menschen dazu verleitet, freiwillig sehr irrational unbedingt glauben zu wollen, dass „wir“ schuld an einem Klimawandel sind. Zumal jeder wissen sollte, dass „das Klima“ kein fixierter Zustand ist, der „in Unordnung“ bzw. „durcheinander“ gerät bzw. gebracht werden würde – nur, weil „wir“ einen bestimmten Zustand für „normal“ halten.

Und ich selbst bin zum Skeptiker geworden, als man begann uns zu erzählen, dass die Klimarettung käuflich ist; vom internationalen „Emissionshandel“ bis zum Geschäft mit „Bio“- und „Öko“-Etiketten, Weltrettung durch Konsum, wie praktisch. Wobei auch Klimaforscher sich wohl kaum selbst den Ast absägen werden, auf dem sie so komfortabel sitzen, indem sie das Weltklima für gerettet erklären und auf Milliarden an Forschungsgeldern verzichten.

Wenn man einigermaßen realistisch in diese Welt blickt, erkennt man schon mit einem halben Auge im Dunkeln, dass sich restlos alles um Geld dreht und mit dem Geld steht und fällt. Da wäre es nun am Klima-Gläubigen zu erklären, warum er das leugnet, und ausgerechnet das Getöse um den Klimawandel davon frei ist.

Wenn Sie wüssten... >> www.halloCerny.de

Freitag, 18. Januar 2019

digital verlaufen

Alles spricht über „die Digitalisierung“ und „Künstliche Intelligenz“, die grandiosen Möglichkeiten, dass Deutschland in diesem Bereich „hinterher hinkt“, usw, usw. Doch weit und breit niemand, der hinterfragen würde, ob man sich damit nicht eventuell ganz generell auf einem Holzweg befinden könnte.

Als „Denkfabrik“ ist es (u.a.) mein Job, unübliche Gedanken zu denken und dadurch (u.a.) sehr unübliche Fragen aufzuwerfen; zumindest als Denkanregung. Doch je tiefer jemand dabei im gedanklichen Mainstream feststeckt, desto schwieriger natürlich, in die eventuell genau entgegengesetzte Richtung denken zu sollen. Zugestanden.

Da wird etwa „die Digitalisierung“ mitsamt einer „Künstlichen Intelligenz“ als unser aller unausweichliche Zukunft hingestellt, als hätte man mit solchen Prognosen nicht schon oft genug daneben gelegen. Man denkt den nächstliegenden Gedanken freimütig in die Zukunft und glaubt dadurch zu wissen, wohin das führt, und was unbedingt zu tun und zu vermeiden ist.

Die Computertechnik macht es inzwischen möglich: Ein sogenanntes „Smart Home“ mit sogenannt „intelligenten“ Haushaltsgeräten, von der Kaffeemaschine bis zum Kühlschrank, dazu Roboter, die den Rasen mähen, Fernster putzen und staubsaugen, alles steuerbar bequem von unterwegs über das Smartphone.

Oder auch zuhause steuerbar über ein sogenanntes „Echo“-Gerät wie „Alexa“ von Amazon, mit dem sich Elektrogeräte und elektronische Anwendungen durch einfache Sprachbefehle steuern lassen, quasi auf Zuruf. Und das noch ganz abgesehen von sogenannt „autonomen“ bzw. „selbststeuernden“ Fahrzeugen, Autos und U-Bahnen.

Man denkt das Ganze als den Beginn, der durch den sprichwörtlichen weiteren Fortschritt in eine unausweichliche Zukunft führen würde. Die Frage, was das alles eigentlich soll, also eine etwaige Frage nach einem etwaigen Sinn, abgesehen vom schnöden Zweck, wird gar nicht erst gestellt. Das Machbare verblendet.

In meiner Jugendzeit kamen die ersten ‚Heimcomputer‘ auf den Markt. Der einzige Unterschied zu Spielkonsolen war die Tastatur, die suggerierte, dass es sich um einen Computer handelte, mit dem man „mehr“ machen könne, als „nur zu spielen“. Damit konnte man so auch perfekt rechtfertigen, warum man so einen Apparat „braucht“.

Dann erschienen die ersten ‚Personal Computer‘, mit neuartiger „Maus“, rechenschneller, leistungsfähiger, und: genauso sinnlos. Es hieß, man könne damit beispielsweise ganz bequem ein Archiv seiner Videokassetten und CDs anlegen. Sensationell. Man konnte allerdings auch weiterhin ganz einfach seine Videokassetten und CDs durchsehen.

Bei diesem ganzen „Fortschritt“ handelt(e) es sich jedoch vielmehr um Bill Gates‘ Vision ‚a computer on every desk and in every home‘ aus den 1970er Jahren. Man hat uns äußerst erfolgreich die Idee verkauft, dass Otto Normalbüger einen Computer „braucht“. Aus dem Marketing kennt man das als „Bedürfnisse wecken“ – und daraus einen lukrativen „Bedarf“ zu machen.

Das hat sich durchgezogen und bis heute vorläufig bis zum Smartphone gesteigert. Der nächste Verkaufsschlager wurde mit kleinen Robotern aller Art bereits vorbereitet und wird gerade auf „Künstliche Intelligenz“ ausgeweitet. Denn mit diesem Schlagwort lässt sich mehr verpacken: Seit ein paar Monaten ist jetzt plötzlich alles Mögliche „intelligent“, was früher allenfalls „automatisch“ war.

Nebenher werden wir medial immer mal wieder auf den neuesten Stand gebracht, wie es um die Entwicklung „autonomer“ bzw. „selbststeuernder“ Automobile steht. Ob das überhaupt jemand haben will, ist irrelevant. Es wird daran gearbeitet. Und wenn es jemals funktionieren sollte, dann wird es uns verkauft. Mit diesem Profit wird fest gerechnet. Deshalb wird das Ganze als „unausweichliche Zukunft“ hingestellt.

Im Geschichtsunterricht an den Schulen wird „die Industrialisierung“ als vornehmlich positiver epochaler Meilenstein gelehrt, mit dem unser aller heutiger Wohlstand, Überfluss und Luxus begann – erst ermöglicht jedoch durch die massenweise Förderung von Steinkohle, um die Dampfmaschinen und Eisenbahnen betreiben zu können.

Heute dagegen glaubt man zu wissen, dass genau dadurch, durch die massenweise Verbrennung von Kohle, auch der „menschengemachte Klimawandel“ in Gang gebracht wurde. Das konnten die Menschen damals wohl noch nicht absehen. Dass „die Digitalisierung“ auf ähnlich direktem Weg in eine Sackgasse führt, wird man vehement bestreiten. Schließlich sind wir doch heute viel schlauer, schon deshalb, weil wir Computer haben.

Wenn Sie wüssten... >> www.halloCerny.de

Dienstag, 20. November 2018

übertrieben beschützt

Dieses „Früher war alles besser“ ist natürlich Quatsch. Aber man hat auf so einiges fröhlich gepfiffen, das inzwischen zu gewaltigen Problemen erhoben wurde …und (nur) deshalb nach Lösungen verlangt, die früher gar nicht nötig waren. Als ein Paradebeispiel: der Datenschutz.

In den meisten Themen, die heute vehement diskutiert werden, verpasst man es andauernd  grandios, gedanklich ein Stückchen weiter vorn anzusetzen. Das ist ungefähr genau so, wie der Autofahrer, der innerlich gehetzt und gestresst im Slalom über die Bundesstraße jagt; dabei sich selbst und andere gefährdet, statt einfach fünf Minuten früher loszufahren.

So auch bei der zwanghaften „Digitalisierung“ unserer Welt. Auf der einen Seite ist man völlig begeistert von den Möglichkeiten, andererseits verbreitet es Angst und Schrecken, dass in dem ganzen Tammtamm, der früher einmal „EDV / Elektronische Datenverarbeitung“ hieß, jede Menge Daten verarbeitet werden.

Dieser Angst und diesem Schreckgespenst setzte man irgendwann den Datenschutz entgegen. Dadurch hat jeder Bürger ein Recht auf seine persönlichen Daten. Doch wo fängt das an und wo hört das auf? Ist etwa Ihr persönliches Geburtsdatum schon besonders schützenswert, wo doch Millionen andere am selben Tag geboren wurden?

Nein. Gefährlich wird es angeblich erst dann, wenn einzelne Daten miteinander verbunden und dadurch ganz bestimmten Personen zugeordnet werden können. Das führt inzwischen zu kleinen Seltsamkeiten, wie der Zugbegleiterin, die neuerdings keon Namenschild mehr tragen darf: Gesicht plus Name, Verknüpfung, Datenschutz. Im Fall der Fälle müssen Sie sich über die Personalnummer beschweren.

Noch seltsamer, dass nach der erfolgreichen Klage eines Österreichers an Haustürklingeln in Wien nicht mehr der Name des jeweiligen Mieters prangen darf. Denn Name plus Straße und Hausnummer, Verknüpfung, Datenschutz. Ob das eventuell leicht übertrieben ist, sollte man am besten Paketlieferanten fragen, oder Notärzte im eiligen Notfall.


>> www.halloCerny.de 
 

Dienstag, 30. Oktober 2018

freundlich genervt

Man wechselt normalerweise nicht ständig den Wohnsitz. Gott sei Dank. Denn die Kämpfe, die man während einer solchen Aktion mit verschiedenen Telefon-Hotlines („Service“ genannt) bestreiten muss, können einem durchaus den vorletzten Nerv kosten.

Da denkt man, wenn man für seine gesamte technisch-mediale Anbindung an die Außenwelt, für Fernsehen, Internet und Telefon, nur einen einzigen so genannten Provider hat, sollte es relativ unkompliziert sein, einen Umzug zu melden und abzuwickeln. Da wird in irgendeiner zuständigen Abteilung des Konzerns die „F12“-Taste gedrückt, und: fertig. Jedoch: von wegen. 

Denn gerade, wenn sich irgendwo ein Fehler einschleicht, wird man schnell kreuz und quer durch die telefonische Kunden-Hotline verbunden, auf der verzweifelten Suche nach jemandem, der eventuell zuständig sein könnte. Irgendwann haben so viele hilfsbereite Menschen ihre Finger im Spiel, dass aus einem einzigen kleinen zu behebenden Problemchen ein erheblich großes Durcheinander wird. Die Chaostheorie live im Alltag.

Je öfter man zwangsweise mit solchen Hotlines telefonieren muss, desto mehr und unangenehmer fallen einem dabei ein paar Details auf, über die man ansonsten glatt hinweghört. Dabei hat man sich längst an die simuliert stimmlich-automatisierten Sprachmenus erschreckend gewöhnt („Sagen Sie 1, wenn Sie die Wartemusik noch einmal hören wollen“). Wenn man dann doch endlich irgendwann einen Menschen am Hörer hat, bleibt es dennoch mindestens ebenso erschreckend maschinell-automatisiert als menschlich.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“ hört man am Ende einer ellenlangen Begrüßungsformel den Gesprächspartner fragen. Eine Antwort wie etwa „Ich hoffe, Sie können“ oder „Ich bin gespannt, ob Sie können“ löst jedoch eher Verwirrung aus: Das Hotline-Personal ist sich der selbstgestellten Frage vor lauter automatisiertem Aufsagens gar nicht mehr bewusst.

Das Gleiche, wenn man im Laufe eines Telefonats in die Warteschleife gelegt und anschließend wieder zurück begrüßt wird: „Danke, dass Sie gewartet haben“. Na, was bleibt einem schon übrig. Eine antrainiert automatisiert-floskelhafte Freundlichkeit, die einem irgendwann auf den Nerv geht. Vielleicht auch nur das berüchtigte „Spiegelbild der Gesellschaft“.

Wenn Sie wüssten... >> www.halloCerny.de

Donnerstag, 13. September 2018

gestammelt diskriminiert

Wie man kürzlich erleben durfte, geht es sogar beim Weltklasse-Damen-Tennis inzwischen sexistisch zu. Doch nicht etwa, weil im Damentennis keine Herren spielen dürften. Sondern aus Gründen von diskriminierenden Punktabzügen. Das liegt jedoch eher an der neuen Mutwilligkeit, überall Diskriminierung sehen zu wollen.

Kürzlich verlor der Tennis-Star Serena Williams ein bedeutendes Finale leicht überraschend gegen eine Nachwuchsspielerin. Während des Spiels beeindruckte Williams jedoch weniger durch Ball- als vielmehr durch Wortwechsel, nämlich mit dem Schiedsrichter. Und zur Strafe erhielt der Star mehrere Punktabzüge.

Gegenüber den Medien erklärte Frau Williams die Vermutung, der Schiedsrichter hätte bei einem Match unter Männern sicher nicht solche Strafen ausgesprochen. Und das sei sexistisch. Von Rassismus konnte Williams auch kaum sprechen, denn ihre Gegnerin war eine vom Schiedsrichter völlig unbehelligte Japanerin.

Sowohl Vorwürfe von Rassismus als auch Sexismus musste einen Tag später dagegen jedoch ein Karikaturist erleben, der für eine Zeitung in den USA eine Zeichnung anfertigte, die Frau Williams auf einem Tennisplatz vor Wut schnaubend darstellte. Mutwillige Konfrontation geht inzwischen (auch) vor jedem Humor.

Erstaunlich, dass in den folgenden Tagen in den sozialen Medien" keine MeToo"-Kampagne startete, in der eine Unmenge an Sportlern eingestanden hätte, auch schon einmal verloren zu haben - und jetzt im Nachhinein prompt den Mut gefunden hätten, irgendeine Diskriminierung darin zu erkennen. Doch so ahnen wir jetzt immerhin, warum Schalke 04 in der Bundesliga noch nie Meister wurde.

Man könnte zu Serena Williams eine kleine Parallele sehen zu diesem Fußballspieler Mesut Özil, der vor einigen Wochen auf eine gewisse Kritik an ihm u.a. mit „Rassismus“-Vorwürfen konterte. So wurden aus Fußballfans kurzerhand Rechtsradikale, mutwillig und willkürlich und sämtliche („sozialen“) Medien sprangen darauf an.

Das hat sich in letzter Zeit verbreitet etabliert: bequeme und einfache „Hashtag“-Denke im Schlagwortmodus, maximal in „Twitter“-Länge. Wenn das solche Folgen produziert, wäre das bedenklich genug. Doch schlimmer noch, wenn über diese Folgen genauso kurzgestammelt gedacht und geredet wird.

Wenn Sie wüssten... >> www.halloCerny.de

Dienstag, 28. August 2018

digital konfrontiert

Es scheint in unserer Gesellschaft zunehmend radikal zu werden. Oder anders gesagt: Ein womöglich ohnehin leichter Hang zur Radikalität bekommt zunehmend Anlässe, öffentlich angewendet zu werden. Doch vielleicht liegt es auch daran, wie soziale Medien als Öffentlichkeit fungieren.

Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre war ganz schön was los in Deutschland. Es gab eine Hausbesetzerszene, es gab Demonstrationen gegen die Stationierung von Mittelstreckerenraketen in Deutschland und demonstrierten regelmäßig Atomkraftgegner. Das waren offiziell, politisch wie medial: alles „Chaoten“.

So gesehen war es die letzten paar Jahre vergleichsweise ziemlich ruhig. Es schien, als wäre die Bevölkerung massenhaft narkotisiert kaum noch von ihrer Couch, ihrem Fernseher und ihrer PlayStation wegzubekommen. Anlässe hätte es sicherlich ein paar gegeben.

Mit dem Internet und insbesondere mit den „sozialen Medien“ wurde das ein wenig anders: Jetzt konnte man seine Meinung öffentlich bundes- und sogar weltweit verkünden, sich massenhaft engagieren und/oder chaotisch toben, ganz bequem von Zuhause aus, relativ äußerst gefahrlos, mit einem Sicherheitsabstand so weit die Datenleitung reicht.

Diese Verhinderung und aktive Vermeidung der direkten persönlichen Auseinandersetzung mit Menschen anderer Meinung hat Folgen. Zumal hierbei nicht nur bekannterweise sämtliche non-verbalen Signale wie Gestik und Mimik flachfallen. Es hat sich dazu noch etabliert, die Welt auf ein schnödes „Gefällt mir“ oder eben nicht zu reduzieren, Daumen hoch oder runter, dazwischen gibt es nichts.

Wenn man lernt, die Welt durch diese künstlich digitale Brille wahrzunehmen, wähnt man sich gern auch in einer Welt auf dem intellektuellen Stand des Kalten Krieges, in der das eindeutig Gute gegen das eindeutig Böse kämpft. Wobei dummerweise jeder vollauf davon überzeugt ist, zu den Guten zu gehören.

Freitag, 10. August 2018

gewaltig erhitzt

Das ist mal wieder typisch. Kaum haben wir mal wieder ein Wetter-Extrem, stürzen sich die Medien auf den Klimawandel. Mindestens genauso interessant ist jedoch die Art und Weise, wie das bis zu Otto Normalbürger durchdringt und bei ihm ankommt.

Der Klimawandel ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich medial mit Problemen beschäftigt, wenn sie gerade mal auffallen. Und nur so lange, bis es durchgenudelt ist, und von einem anderen endlich aktuelleren Problem abgelöst wird. So bleiben wir immerhin schön beschäftigt.

So war etwa der vergangene Oktober 2017 „der wärmste, seit Beginn der Wetteraufzeichnung“, wie es immer heißt. Prompt war das natürlich ein Nachweis für die globale Erwärmung, Treibhauseffekt, Klimawandel, usw. Der Oktober 2016 dagegen war der kälteste Oktober seit jemals überhaupt, vielleicht mit Ausnahme der Eiszeit, doch irgendwie ungeeignet, um eine globale Erwärmung zu thematisieren.

Das Ganze ist mindestens schon einmal typisch für unser „Hashtag“-Zeitalter. Größere Zusammenhänge und tieferes Hintergrundwissen sind einfach nicht mehr angesagt. Angesagt ist der Schlagzeilen-Modus, maximal in „Twitter“-Länge, in möglichst simplem Schwarz-Weiß, um ruckzuck Dafür oder Dagegen sein zu können, in aller Konsequenz, notfalls radikal.

So auch beim Thema Klimawandel. Zwar sind sich wohl die meisten durchaus einig, dass zurzeit ein Klimawandel stattfinden könnte. Doch ein paar davon bezweifeln tatsächlich, dass die globale Erwärmung „menschengemacht“ sei. Und das, obwohl das doch allgemein und generell der Konsens der Mehrheit ist. Ist das zu fassen.

Dabei ist allein schon die Andeutung dieses Zweifels völlig ausreichend, um Reaktionen extrem übelster Art zu provozieren und mitunter prompt als rechtsradikaler Neo-Nazi bezeichnet zu werden. Eine mindestens ebenso radikale gedankliche Steilkurve, die man erst einmal hinbekommen muss.

Eine Radikalität in ähnlich feindseliger Mentalität, wie Nichtraucher gegen Raucher aufmarschieren und Vegetarier gegen Fleischesser hetzen. Natürlich gibt es löbliche Ausnahmen. Doch die Tendenz geht zu einem „Gut gegen Böse“, selbsternannte Weltretter gegen naive Vollidioten, Schwarz-Weiß-Denken auf „Hashtag“-Niveau.

Nur nach dem nächsten Terroranschlag haben sich ein paar Wochen lang erst einmal alle gegenseitig unheimlich lieb und verurteilen jede Art von Abgrenzung und Ausgrenzung, Gewalt und Radikalität.

Mittwoch, 1. August 2018

hymnisch vermengt

Nun gut. Wir befinden uns mitten im medialen Sommerloch. Im Normalfall wäre zum jetzigen Zeitpunkt noch das Thema „Fußball-WM“ in aller Munde. So jedoch befinden wir uns Dank eines Fußballers nun in einer sommerlichen „Rassismus“- und „Integrationsdebatte“, dummerweise: bis es keiner mehr hören kann.

Das Regionalfernsehen des WDR schickte kürzlich ein Reporterteam zu einer Grundschule, in der man sich verstärkt um Kinder mit so genanntem „Migrationshintergrund“ kümmern muss. In diesem Fall übernimmt das eine Lehrerin, die selbst einen solchen hat. Das wäre im Prinzip mindestens höchst sinnvoll.

Thematischer Aufhänger: Der Fußballer Mesut Özil, der sich stets beharrlich weigerte, bei Länderspielen die obligatorische Nationalhymne mitzusingen: Dazu meinte diese Lehrerin, auch sie selbst würde den Text der Hymne nicht kennen – schon deshalb nicht, weil sie in ihrem alltäglichen Leben keine Rolle spiele.

Das stimmt natürlich. Nur die wenigsten Bürger singen nach dem Frühstück oder vor der Nachtruhe erst einmal die Nationalhymne. Mit erhöhter Wahrscheinlichkeit trifft das allerdings auch auf die meisten Österreicher, Franzosen und Dänen zu. So könnte man auch fragen, was der aktuelle „Top10“-Hit, den jeder Zweite auswendig mitträllert, mit dem Alltag zu tun hat.

Sportliche (Groß-)Ereignisse sind eben nicht der Alltag. Zu solchen Anlässen kann das gemeinsame Hymnensingen durchaus eine ebensolche Gemeinsamkeit vermitteln, wie u.a. das Tragen von Nationaltrikots. Es kann eine Gelegenheit sein, um Gemeinsamkeit zu demonstrieren. Und Gemeinsamkeit ist doch eigentllich auch das, worum es bei diesem Thema geht(?).

Gelinde gesagt etwas „unfair“ jedoch, dass diese Lehrerin den ihr anvertrauten unschuldigen Kindern ein Video präsentierte. Die Fußballnationalmannschaft vor einem Spiel im Jahr 1974, und es sang doch tatsächlich nachweislich kein einziger Spieler die Nationalhymne mit. Der Versuch eines „Siehste“-Effekts mit unterschwelligem Verweis auf die Kritik am sanglosen Özil.

Ein Vergleich, der jedoch schlimmer hinkt als ein Fußballer nach einem Foul. Damals nämlich wirkte immer noch der Zweite Weltkrieg nach. Das Singen der Hymne galt als nationalistisch-ungehörig. Für die Nationalkicker eingeführt hatte das im Jahr 1984 der damals neue Teamchef Franz Beckenbauer. Übrigens unter dem Aspekt des Teamgedankens, der Gemeinsamkeit.

Und dann kamen noch die guten, alten „deutschen Werte“ zur Sprache. So fragte die Lehrerin rhetorisch, ob sie denn nur eine gute Deutsche sei, wenn sie den Hymnentext kenne. Es sei doch viel wichtiger, die deutschen Werte zu teilen. Warum das wichtiger ist, blieb dagegen ungeklärt. Ebenso, was das nun in Bezug auf diesen Fußballer Mesut Özil bedeutet.

Özil nämlich ließ sich bekannterweise fragwürdig mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan ablichten, der einen mutmaßlich diktatorischen Hang zur Staatsführung hat, menschenrechtlich äußerst bedenklich. Und wenn Herr Özil selbst nicht erklärungsbereit ist, wie man das verstehen soll, muss er sich nicht wundern, wenn seine Wertvorstellungen ersatzweise von anderen interpretiert werden.

Die „deutschen Werte“. Ich kann nichts dafür, aber mir fällt seit Kurzem dazu immer spontan dieses alte Zechengelände in Nordrhein-Westfalen ein, das im Rahmen des Strukturwandels eine neue Bestimmung bekommen sollte. Da gab es heftigste Auseinandersetzungen zwischen Bürgern, die ein Kulturzentrum haben wollten, und den anderen, die lieber ein Einkaufszentrum („Spaßmeile“) hätten.

Die „deutschen Werte“. Schon bei der Frage „Kultur oder Shopping“ driften die deutschen Wertvorstellungen offenkundig ziemlich auseinander. Und ein Immigrant ist dann integriert, wenn er die Werte teilt, über die sich „die Deutschen“ selbst nicht einig sind, und aus reinen Kompromissgründen gezwungen sind, sie staatsbürgerlich mitzuvertreten.

Die „deutschen Werte“ schwanken schon regionalbedingt bedenklich zwischen Trachten, Sauerkraut und Schützenverein einerseits, sowie allem möglichen anderen, etwa Schlabberlook, Currywurst und Kegelklub andererseits. Erfolgreiche Integration ist davon abhängig, wo ein Immigrant zufällig landet.


Freitag, 27. Juli 2018

integrativ verwertet

Es köchelt sowieso ständig vor sich hin, das Thema „Rassismus“, immer wieder aufgewärmt, wenn es politisch und/oder medial gebraucht wird. Und soeben wieder richtig zum Kochen gebracht – anlässlich eines Fußballturniers und seines Sündenbocks. Man sollte es nicht glauben.

Unsere Fußballnationalmannschaft hat kürzlich bei der Weltmeisterschaft ziemlich peinlich gekickt und ist so blamabel früh ausgeschieden wie nie zuvor. Wie so oft bei solchen Gelegenheiten wurde prompt ein Sündenbock gesucht. Der Trainer kam diesmal jedoch nicht dafür in Frage und der Zeugwart eignete sich ebenfalls kaum.

Optimal geeignet schien zunächst der Fußballer Mesut Özil, an dessen Leistungen sich schon ewig die Geister scheiden: Einige sehen in Özil einen genialen Spielmacher, der extrem ästhetisch die spielstrategischen Fäden zieht. Einige andere sehen in ihm einen „körper- und schweißlos“ kickenden Mitläufer.

Doch nicht nur damit hatte Özil für die Rolle des Sündenbocks die besten Voraussetzungen. Dazu hinzu kam noch ein ziemlich fragwürdiger, politisch pikanter PR-Auftritt. Özil sparte sich zunächst wochenlang jeden Kommentar zu dem Ganzen, um dann doch irgendwann „die Rassismus-Karte zu ziehen“, wie es hieß:

Der Fußballer, in Gelsenkirchen geboren, und nicht einmal mit doppelter, sondern einfacher deutscher Staatsbürgerschaft, verwies auf seine türkischen Eltern; weshalb alle Kritik an ihm rassistisch sei. Prompt haben wir eine neu entflammte mediale Debatte über Rassismus, Integration, etc. Allerdings ohne Özil, denn der ist gleich wieder medial abgetaucht.

Abgetaucht mit den Schlussworten: „Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren“ Man könnte das auch anders sagen: Özil hält sich selbst für deutsch, wenn er bejubelt wird, und für rassistisch verfolgt, wenn man ihn kritisiert.

Denn bemerkenswerterweise spielte Özil seit fast 10 Jahren in der Nationalmannschaft, …offenbar rassistisch völlig unbehelligt. Ebenso bemerkenswert, dass kein anderer Spieler mit „Migrationshintergrund“, kein Boateng, Khedira, Rüdiger, nicht einmal Gündogan, ähnliches beklagt – wo es doch nun kaum eine bessere Gelegenheit gäbe.

Dumpfbacken, die von den Tribünen strohdumme, mitunter rassistische Sprüche gröhlen, sich im Schutz der großen Masse wähnend, hat es ebenso schon immer gegeben, wie Beleidigungen in Richtung Schiedsrichter. Beides hat in den letzten Jahren bedenklich zugenommen. Doch man sollte vielleicht nicht genauso dumpf darauf reagieren.

Sonntag, 22. Juli 2018

leserlich gedacht

Unsere Kultur ist auf dem besten Weg, den Planeten für Menschen unbewohnbar zu machen. Und unsere Kultur ist hochgradig technologieversessen. Man darf das beides durchaus in einem Zusammenhang sehen. Doch leider hat man uns beigebracht, dass HighTech der ultimative Problemlöser ist.

Es war einmal… ein gewisser Bill Gates, der die Vision formulierte „a computer on every desk and in every home“. Zu dieser Zeit hatte man dafür nur ein amüsiertes Lächeln übrig: Was soll Otto Normalbürger denn bitteschön mit einem Computer?
Das Lachen kann einem inzwischen nicht nur längst vergangen sein, vielmehr erfolgt es heute bei der umgekehrten Frage: Wie, bitteschön, sollte unser Lebensalltag ohne den ganzen Digitalkram überhaupt noch funktionieren?

Der Siegeszug des Computers ist also vor allem eines: ein glänzender Verkaufserfolg. Man hat uns äußerst erfolgreich die Idee und Überzeugung verkauft, wie wahnsinnig nützlich und hilfreich Computertechnologie doch ist.
Auf dieser Grundlage kann man uns inzwischen nahezu alles unterjubeln, vor allem: als „Fortschritt“. Zumindest rein technologisch, versteht sich. Die Frage, was das eigentlich alles soll, wird in diesem HighTech-Trubel weiterhin nicht gestellt.

Ein Paradebeispiel war kürzlich in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ zu sehen. Als Gästin geladen und erschienen war unter anderen Frau Miriam Meckel, offenbar auf Werbe-Tour für ihr Buch „Brainhacking“.

Moderator Markus Lanz stellte Miriam Meckel vor: „Sie sagen, wir sind heute so weit, wir können Gedanken lesen!“. Frau Meckel nickt, „Das geht sogar relativ einfach“, und beschreibt prompt einen Selbsttest in einem Versuchslabor an der Uni Tübingen. Ganz so, wie das ohnehin jeder schon kennt, ein Proband vor einem Monitor hockend, eine Elektrodenhaube über den Kopf gezogen, undsoweiter.

Auf dem Monitor, so Frau Meckel, seien die Buchstaben des Alphabets in einer bestimmten Anordnung dargestellt: „Ich muss mich dann darauf konzentrieren… nachdem sich die Software auf mich eingestellt hat, wie mein Gehirn tickt sozusagen, wie es reagiert, wenn ich ein A denke oder ein D denke, oder so. […] Und jetzt muss ich mich konzentrieren, auf den Buchstaben, den ich schreiben möchte. Das hat ein paar Minuten gedauert, aber: es geht!“ Toll. Wenn man die Zeit und Geduld hat.

Und weiter: „Ich hab einfach durch Konzentration auf die Buchstaben, ich will ein A schreiben oder ich will ein I schreiben, habe ich diesen Buchstaben auf den Bildschirm befordern können“ […] „Und das ist wirklich eine hohe Konzentrationsleistung. Irgendwann ging die Tür auf, jemand guckte hinein, sagte ‚Entschuldigung‘ und machte die Tür wieder zu, da war Ende mit Schreiben, bestimmt für eine Viertelstunde. Keine Konzentration, eine Störung, dann geht nichts mehr.“ Offenbar dieTücken hochsensibler HighTech.

An der Zukunft würden „Google“, „Facebook“ und Co. natürlich schon arbeiten, sodass man irgendwann, so Frau Meckel, „Texte denken kann, eMails denken, SMS denken […].Sie liegen auf einem Sofa mit einem Glas Rotwein in der Hand und denken ihre eMails an ihre Kolleginnen und Kollegen“.

Aber natürlich. Mit einer Elektrodenhaube auf dem Kopf und in Jogi-Löw-Manier mit „högschter Konzentration“, gaaaanz langsam, Buchstabe für Buchstabe. Wer das unbedingt als revolutionäres, technisches „Gedankenlesen“ verstehen möchte, der scheint seine Gedanken wohl üblicherweise einzeln zu buchstabieren.

Vor lauter blinder Begeisterung gegenüber dem scheinbar technisch Machbaren und Möglichen schmilzt jede annähernd kritische Haltung dahin. Nicht nur in Bezug darauf, was uns da wieder einmal völlig sinnfrei als „Fortschritt“ untergejubelt werden soll – sondern auch. verkauft.