Ist Humor eigentlich ein Teil der Bildung? Wenn es nach den schulischen Lehrplänen geht, wohl nicht. Momentan zeigt sich jedenfalls, dass ein gewisses Humorverständnis notwendig ist, um eine kleine politische Staatsaffäre verstehen zu können. Und letztlich entscheidet darüber der Humor eines Richters.
Der noch immer aktuelle „Fall Böhmermann“ ist nur bedingt ein solcher. Allenfalls ein Fall für sich; ganz allein. Ich hatte schon nicht verstanden, mit welchem Trara das ZDF Herrn Böhmermann die Sendezeit für eine Late-Night-Show überließ. Da hätte man (auch ganz ohne Trara) lieber das „Nachtstudo“ mit Volker Panzer reaktivieren dürfen.
Wenn aber ein Herr Böhmermann öffentlich ein so genanntes „Schmähgedicht“ zelebriert, von dem er vorher einleitend ankündigt, dass es verboten ist, so etwas zu tun, übersteigt es mein Humorverständnis, eine willentlich vollzogene strafbare Handlung als Humor, nämlich als Satire zu bezeichnen – und mit diesem Argument nicht etwa nur um Milde zu bitten, sondern auch noch Forderungen zu stellen.
Da hilft es auch nicht, dass diese strafbare Handlung argumentativ mit dem „satirischen Umfeld“ gerechtfertigt werden soll, in dem sie stattfand. Gerade deshalb nicht, weil diese gesamte Show allenfalls auf dem Papier „Satire“ darstellt.
Genauso, wie die ebenfalls im ZDF versendete und als „Kult“ bezechnete „heute show“, die es gerade noch schafft, zwischen Klamauk und Polemik zu schwanken, aber die Qualität von Satire allenfalls zufällig streift.
Das ist adäquat zum heutigen humorellen Durcheinander, wo jeder Fernsehsender seine Comedy Show braucht, und reihenweise Nachwuchs-Spaßmacher auf die Bühnen geschubst werden, die sich für „Comedians“ halten dürfen, weil sie auf Bierzeltniveau ein paar Kalauer auswendig aufsagen können.
In diesen Quark passt wunderbar, dass sich Kabarettisten auf ihrer „Facebook“-Seite freiwillig als „Komiker“ bezeichnen, einfach weil dort nur diese Berufsbezeichnung zur Auswahl zur Verfügung steht. Ein etwaiger, vielleicht sogar qualitativer Unterschied ist offenbar allen Beteiligten schnurz.
Und so kommt es, dass in TV.-Shows selbst die flachesten Pointen ausnahmslos sämtlicher Möchtegernkomiker vom Publikum mit brüllendem Gelächter und begeistertem Schenkelklopfen belohnt werden.
Es sei denn, das ist alles nur gefakt und so zusammengeschnitten, während in Wirklichkeit neun Zehntel der Hilfskomiker von der Bühne gebuht wurden. Das wäre mindestens genau so schlimm wie beruhigend, wenn man annimmt, dass (siehe oben) Humor ein Teil der Bildung ist.
Dienstag, 4. Oktober 2016
Freitag, 29. April 2016
wissentlich ver(w)irrt
Nicht immer, aber ziemlich oft sind die Ratschläge von Experten fast erschreckender als das Problem, zu dem sie befragt werden. Das passiert vor allem dann, wenn es sich um Experten handelt, die Experten sind, weil sie eben Experten sind, und schon deshalb offenbar plaudern dürfen, wie sie wollen.
Wir leben in einer Zeit, in der bedenklich Vieles einfach schnurz ist – und immer schnurzer zu werden scheint. Die Hauptsache ist, man wird informiert, über was auch immer, von wem auch immer. Und natürlich steht dabei jeder Expertenrat weit über der persönlichen Erfahrung jedes normalen Menschen.
Da werden Hirnforscher zu gesellschaftlichen Problemen befragt und Psychologen zu pädagogischen Problemen, Pädagogen wiederum verweisen auf Ergebnisse der Gehirnforschung, Genforscher spielen den Soziologen, das alles auch kreuz und quer umgekehrt. Ein großer Kompetenzquark im Informationsbrei verrührt.
Natürlich: Wer sich ein bisschen auskennt, der weiß, dass ohnehin alles mit allem zusammenhängt. Doch genau damit wird die Befragung von spezialisierten Experten ruckzuck so paradox, wie deren Erklärungen und Ratschläge zu Themen, für die – allenfalls – ganz andere Experten spezialisiert zuständig wären.
Wie kürzlich etwa im Falle des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, offenbar einer wahren Koryphäe der Pädagogik, in einer Ratgeber-Kolumne „Jesper Juul antwortet“, unter anderen einer verzweifelten Mutter, die sich mit ihrem sechzehnjährigen Sohn ständig über dessen exzessive Handynutzung streitet.
Das scheint so tatsächlich erst einmal in den Kompetenzbereich eines Pädagogen zu fallen. Nach ein paar cleveren rhetorischen Ausweichmanövern rät Herr Juul schließlich, die junge Mutter solle ihrem Sohn erklären, wie selbstzerstörerisch er sich verhalte, und das mit ihm geklärt haben wolle(!), nicht etwa nur möchte.
Dieser Ratschlag ist nicht gerade revolutionär. Vor allem geht er haarscharf am Problem vorbei, das nämlich (siehe oben) ganz woanders liegt, nämlich irgendwo im Bereich der Medienwirkungsforschung, für die es (siehe oben) natürlich ganz eigene spezialisierte Experten gibt.
Ein Knackpunkt ist: Herr Juul ist nun einmal Jahrgang 1948, also fast 70 Jahre alt. Da muss man hinterfragen dürfen, inwieweit er sich (wohlgemerkt als Pädagoge) jemals damit beschäftigt und/oder annähernd verstanden hat, in „welcher Welt“ die Jugend heute aufwächst.
Und das darf deshalb hinterfragt sein, weil es frag(-)würdig ist, einen 16-Jährigen auf ein vermeintlich „selbstzerstörerisches Verhalten“ hinzuweisen, der das selbst – garantiert – anders beurteilen wird. Und wenn es deshalb(!) zu einem Streit kommt, dann hilft es auch nicht mehr, „ich möchte“ durch „ich will“ zu ersetzen.
Und es darf und muss auch deshalb hinterfragt sein, wenn ein fast 70-Jähriger versucht, sich in die Erlebenswelt eines 16-Jährigen hinein zu versetzen, um beurteilen zu wollen, was in dessen Welt „selbstzerstörerisch“ wirkt – oder ob das nicht vielleicht nur in der Welt eines alten Mannes so ist.
Man bedenke: Wenn sich Eltern heute ein neues Auto kaufen, dann ist darin (an zentraler Stelle!) ein Bildschirm mit Multifunktions-Touchscreen eingebaut, ein solches Auto ist „vernetzt“ und mit WLAN ausgestattet. Wer besonders hip ist, steuert die heimischen Rollos über das Smartphone, das ohnehin allzeit präsent ist. In einer durchschnittlichen Lotto-Annahmestelle hängen mindestens 6 Monitore herum, an und neben und über Supermarktkassen ebenso. Selbst jeder simple Briefmarken- und Leergutautomat hat heute einen Bildschirm („Wählen Sie Ihre Sprache“!)…
Und da will man einem Teenager, der in einer solchen Welt aufwächst, plausibel erklären, dass ausgerechnet sein Handy und sein Tablet „zerstörerische Wirkung“ haben sollen? Wie sagte ein Berliner Schulleiter so richtig: „Wir müssen die Kinder auf ihre Zukunft vorbereiten; nicht auf unsere Vergangenheit“. Manche Experten sind offenbar nicht einmal in der Lage, deren Gegenwart zu beurteilen
Wir leben in einer Zeit, in der bedenklich Vieles einfach schnurz ist – und immer schnurzer zu werden scheint. Die Hauptsache ist, man wird informiert, über was auch immer, von wem auch immer. Und natürlich steht dabei jeder Expertenrat weit über der persönlichen Erfahrung jedes normalen Menschen.
Da werden Hirnforscher zu gesellschaftlichen Problemen befragt und Psychologen zu pädagogischen Problemen, Pädagogen wiederum verweisen auf Ergebnisse der Gehirnforschung, Genforscher spielen den Soziologen, das alles auch kreuz und quer umgekehrt. Ein großer Kompetenzquark im Informationsbrei verrührt.
Natürlich: Wer sich ein bisschen auskennt, der weiß, dass ohnehin alles mit allem zusammenhängt. Doch genau damit wird die Befragung von spezialisierten Experten ruckzuck so paradox, wie deren Erklärungen und Ratschläge zu Themen, für die – allenfalls – ganz andere Experten spezialisiert zuständig wären.
Wie kürzlich etwa im Falle des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, offenbar einer wahren Koryphäe der Pädagogik, in einer Ratgeber-Kolumne „Jesper Juul antwortet“, unter anderen einer verzweifelten Mutter, die sich mit ihrem sechzehnjährigen Sohn ständig über dessen exzessive Handynutzung streitet.
Das scheint so tatsächlich erst einmal in den Kompetenzbereich eines Pädagogen zu fallen. Nach ein paar cleveren rhetorischen Ausweichmanövern rät Herr Juul schließlich, die junge Mutter solle ihrem Sohn erklären, wie selbstzerstörerisch er sich verhalte, und das mit ihm geklärt haben wolle(!), nicht etwa nur möchte.
Dieser Ratschlag ist nicht gerade revolutionär. Vor allem geht er haarscharf am Problem vorbei, das nämlich (siehe oben) ganz woanders liegt, nämlich irgendwo im Bereich der Medienwirkungsforschung, für die es (siehe oben) natürlich ganz eigene spezialisierte Experten gibt.
Ein Knackpunkt ist: Herr Juul ist nun einmal Jahrgang 1948, also fast 70 Jahre alt. Da muss man hinterfragen dürfen, inwieweit er sich (wohlgemerkt als Pädagoge) jemals damit beschäftigt und/oder annähernd verstanden hat, in „welcher Welt“ die Jugend heute aufwächst.
Und das darf deshalb hinterfragt sein, weil es frag(-)würdig ist, einen 16-Jährigen auf ein vermeintlich „selbstzerstörerisches Verhalten“ hinzuweisen, der das selbst – garantiert – anders beurteilen wird. Und wenn es deshalb(!) zu einem Streit kommt, dann hilft es auch nicht mehr, „ich möchte“ durch „ich will“ zu ersetzen.
Und es darf und muss auch deshalb hinterfragt sein, wenn ein fast 70-Jähriger versucht, sich in die Erlebenswelt eines 16-Jährigen hinein zu versetzen, um beurteilen zu wollen, was in dessen Welt „selbstzerstörerisch“ wirkt – oder ob das nicht vielleicht nur in der Welt eines alten Mannes so ist.
Man bedenke: Wenn sich Eltern heute ein neues Auto kaufen, dann ist darin (an zentraler Stelle!) ein Bildschirm mit Multifunktions-Touchscreen eingebaut, ein solches Auto ist „vernetzt“ und mit WLAN ausgestattet. Wer besonders hip ist, steuert die heimischen Rollos über das Smartphone, das ohnehin allzeit präsent ist. In einer durchschnittlichen Lotto-Annahmestelle hängen mindestens 6 Monitore herum, an und neben und über Supermarktkassen ebenso. Selbst jeder simple Briefmarken- und Leergutautomat hat heute einen Bildschirm („Wählen Sie Ihre Sprache“!)…
Und da will man einem Teenager, der in einer solchen Welt aufwächst, plausibel erklären, dass ausgerechnet sein Handy und sein Tablet „zerstörerische Wirkung“ haben sollen? Wie sagte ein Berliner Schulleiter so richtig: „Wir müssen die Kinder auf ihre Zukunft vorbereiten; nicht auf unsere Vergangenheit“. Manche Experten sind offenbar nicht einmal in der Lage, deren Gegenwart zu beurteilen
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Montag, 11. April 2016
zwanghaft verhirnt
Hach, was wird man in zwanzig/dreißig Jahren darüber lachen, wie man damals, Anfang des Jahrtausends, alles mögliche ursächlich irgendwo „im Gehirn“ gesucht und gefunden und mit Hirnfunktionen erklärt hat. Lachen darf man natürlich schon jetzt darüber. Ob man schon kann, ist eine andere Frage.
Ich hatte kürzlich irgendwo geschrieben, dass ich nach fast einem Vierteljahrhundert, das ich mich inzwischen mit dem Denken und Verhalten beschäftige, einen Großteil des ganzen üblichen Geschwafels zu diesem Thema ab sofort nur noch mit Humor ertragen will. Das ist gesünder als sich ständig darüber aufzuregen.
Etwa, wenn man sich wieder einmal verzweifelt durch etliche TV-Programme zappt und hofft, dass die Sendung „Puls“ eine kleine Insel im Informations- und Unterhaltungsbrei darstellen wird. Immerhin im Videotext beschrieben als „Sendung, die tiefer geht“. Und das auch noch ausgestrahlt im seriösen Bayerischen Rundfunk. Bedenklich stimmte allerdings der zwanghaft auf „hip“ getrimmte Stil.
Um was ging’s? Um sogenannte „Handys“. Beziehungsweise: deren Nutzung, und zwar durch uns Menschen. Schließlich seien wir doch inzwischen „alle Handy-Junkies“. Das war schon einleitend die erste Fehlinformation. Ich bin persönlich der unbestreitbare Gegenbeweis und ganz sicher nicht der einzige.
Jedenfalls habe man ein paar Auserwählte gebeten, doch bitte einen Tag lang experimentell auf ihr geliebtes Smartphone zu verzichten und präsentierte deren Erfahrungsberichte, wie sie diesen einen Tag dann doch überlebt haben. Sodann folgte das heute nahezu Unausweichliche…
„Wir wollten wissen“, hieß es dann, „wie unsere Handynutzung sich eigentlich auf unser Gehirn auswirkt“. Es geht offenbar nicht mehr anders: „Das Gehirn“ muss überall thematisch er- und dem unschuldigen Zuschauer aufgezwungen werden.
Und weiter in der Sendung: „Dazu besuchten wir den Psychologen XY“. Auch das wieder nahezu typisch. Kein Mensch scheint sich die Frage zu stellen, was ein Psychologe kompetenztechnisch überhaupt mit dem Gehirnorgan zu tun hat. Und weil das keiner hinterfragt, hat sich glatt die Hälfte der Psychologen mittlerweile prompt selbst zu Hirnforschern erklärt.
Dem voll entsprechend darf der jugendliche Moderator in Gegenwart des Psychologen ein paar enorm trickige Reaktionstests durchführen, deren Ergebnisse freihändig mit irgendwelchen Gehirnstimulationen erklärt werden. So ungefähr hat schon David Copperfield mit Eisenbahnwaggons beeindruckt.
Doch wie so oft: Wenn man meint, dümmlicher geht es nicht mehr, passiert etwas ähnliches auf einem anderen seriösen Kanal, im NDR, in einem Verbrauchermagazin(!), in dem es thematisch eigentlich um Haushaltsreiniger(!) ging, um angstgetränkte Vorurteile gegenüber Bakterien und deren übliche radikale chemische Bekämpfung.
Doch selbst hier, man möchte es kaum für möglich halten: „Woher kommt unsere große Angst vor Bakterien? Wir haben dazu einen Hirnforscher befragt“. Vielleicht sollte man einmal Hirnforscher danach befragen, warum Journalisten ständig auf die Idee kommen, Hirnforscher zu befragen.
Ich hatte kürzlich irgendwo geschrieben, dass ich nach fast einem Vierteljahrhundert, das ich mich inzwischen mit dem Denken und Verhalten beschäftige, einen Großteil des ganzen üblichen Geschwafels zu diesem Thema ab sofort nur noch mit Humor ertragen will. Das ist gesünder als sich ständig darüber aufzuregen.
Etwa, wenn man sich wieder einmal verzweifelt durch etliche TV-Programme zappt und hofft, dass die Sendung „Puls“ eine kleine Insel im Informations- und Unterhaltungsbrei darstellen wird. Immerhin im Videotext beschrieben als „Sendung, die tiefer geht“. Und das auch noch ausgestrahlt im seriösen Bayerischen Rundfunk. Bedenklich stimmte allerdings der zwanghaft auf „hip“ getrimmte Stil.
Um was ging’s? Um sogenannte „Handys“. Beziehungsweise: deren Nutzung, und zwar durch uns Menschen. Schließlich seien wir doch inzwischen „alle Handy-Junkies“. Das war schon einleitend die erste Fehlinformation. Ich bin persönlich der unbestreitbare Gegenbeweis und ganz sicher nicht der einzige.
Jedenfalls habe man ein paar Auserwählte gebeten, doch bitte einen Tag lang experimentell auf ihr geliebtes Smartphone zu verzichten und präsentierte deren Erfahrungsberichte, wie sie diesen einen Tag dann doch überlebt haben. Sodann folgte das heute nahezu Unausweichliche…
„Wir wollten wissen“, hieß es dann, „wie unsere Handynutzung sich eigentlich auf unser Gehirn auswirkt“. Es geht offenbar nicht mehr anders: „Das Gehirn“ muss überall thematisch er- und dem unschuldigen Zuschauer aufgezwungen werden.
Und weiter in der Sendung: „Dazu besuchten wir den Psychologen XY“. Auch das wieder nahezu typisch. Kein Mensch scheint sich die Frage zu stellen, was ein Psychologe kompetenztechnisch überhaupt mit dem Gehirnorgan zu tun hat. Und weil das keiner hinterfragt, hat sich glatt die Hälfte der Psychologen mittlerweile prompt selbst zu Hirnforschern erklärt.
Dem voll entsprechend darf der jugendliche Moderator in Gegenwart des Psychologen ein paar enorm trickige Reaktionstests durchführen, deren Ergebnisse freihändig mit irgendwelchen Gehirnstimulationen erklärt werden. So ungefähr hat schon David Copperfield mit Eisenbahnwaggons beeindruckt.
Doch wie so oft: Wenn man meint, dümmlicher geht es nicht mehr, passiert etwas ähnliches auf einem anderen seriösen Kanal, im NDR, in einem Verbrauchermagazin(!), in dem es thematisch eigentlich um Haushaltsreiniger(!) ging, um angstgetränkte Vorurteile gegenüber Bakterien und deren übliche radikale chemische Bekämpfung.
Doch selbst hier, man möchte es kaum für möglich halten: „Woher kommt unsere große Angst vor Bakterien? Wir haben dazu einen Hirnforscher befragt“. Vielleicht sollte man einmal Hirnforscher danach befragen, warum Journalisten ständig auf die Idee kommen, Hirnforscher zu befragen.
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Mittwoch, 6. April 2016
ahnungslos gestört
Kürzlich war in irgendeinem Nebenkanal eine Folge der Sendung „Faszination Wissen“ zu bestaunen, in der dem Zuschauer durchgehend erklärt wurde, was man über das Reizthema „ADHS“ so alles nicht weiß. Doch das ist vielleicht gar nicht einmal so paradox, wie es zunächst klingt.
Es gibt hyperaktive Kinder, die ein Aufmerksamkeitsdefizit haben. Oder umgekehrt. Für diese Beobachtung hat man eine passende Krankheit erfunden, die „ADHS“ genannt wird, mitsamt dazugehörigen Diagnosen und Therapieansätzen. So machen sich Pharmakonzerne Kunden und Therapeuten machen sich Patienten.
Dummerweise auf Kosten wehrloser Kinder und hilfloser Eltern. Die Kinder sind durch eine solche Diagnose als „gestört“ gebrandmarkt, die Eltern gleich mit dazu, noch abgesehen von fast unvermeidlichen Selbstvorwürfen und etlichen Sorgen.
In einer Folge der Sendung „Faszination Wissen“ wurde allerdings auch sehr schön das Zweifelhafte angesprochen. Irgendwelche Ursachen für „ADHS“ nämlich, also Krankheitsursachen, sind mindestens blanke Spekulation.
Zum Beispiel die Idee, es müsse sich um „fehlgeschaltete Gene“ handeln. Eine bloße Vermutung, mit der dennoch fachlich argumentiert wird: „Wir können schon – ohne jemals ein Gen untersucht zu haben – sagen, es müssen Gene sein, die dafür verantwortlich sind“, spricht ein Prof. Dr. Marcel Romanos, Kinder- und Jugendpsychiater an der Uni Würzburg. Das ist mal echt wissenschaftlich.
So hieß es in der Sendung: „Falsch geschaltete Gene verhindern, dass Botenstoffe in ausreichender Menge erzeugt werden. Weil die fehlen, werden Signale in Nervenzellen nicht richtig übertragen. Die Folge: Eine Funktionsstörung im Gehirn“. Aha. So lässt sich neben der Genforschung ganz elegant auch wieder einmal die Hirnforschung in dem Geschwafel unterbringen. Es liegt schließlich beides voll im Trend, ganz gleich, worum es geht.
Jedoch, so in der Sendung weiter: „Ein großes Problem aber gibt es: Bis heute hat man die Gene, die ADHS verursachen sollen, nicht gefunden. Auch die angenommene Störung im Gehirn ist bis heute nicht bewiesen. Schon seit Jahren suchen Hirnforscher nach Beweisen“.
Kurz gesagt: Man weiß nichts. Man vermutet Ursachen, die man nicht findet. Man vermutet Zusammenhänge, die man nicht nachweisen kann. Aber trotzig besteht man darauf, dass „ADHS“ als Krankheit existiert. Basta. Wozu haben wir sonst die Diagnosemethoden und Therapieverfahren entwickelt.
Und dann kam Prof. Dr. Kerstin Konrad zu Wort, Neuropsychologin an der RWTH Aachen, und berichtet, dass Gehirnregionen, die für die Impulskontrollen zuständig seien, bei „ADHS“-Betroffenen nicht richtig arbeiten würden. Doch das sei noch immer kein Beweis für irgendetwas, denn:
„Das (ein Beweis) ist es in der Regel eher nicht, weil wir ja Patienten untersuchen, die schon erkrankt sind, und wir damit nicht ganz sicher sein können, sehen wir das Ergebnis der Erkrankung oder führt das, was wir sehen, zur Ausbildung der Erkrankung“.
An solchen Stellen fällt mir immer Bazon Brock ein: „Das Wesen von Wissenschaft ist es nicht, Probleme zu lösen, sondern es besteht im Problematisieren selbst“. So eben auch im Falle von „ADHS“. Und hier lässt man es sich nicht entgehen, auch das Leben an sich als Ursache zu vermuten und zum Problem zu machen:
„Unter Medizinern ist höchst umstritten, ob eine Stoffwechselstörung im Gehirn „ADHS“ verursacht. Denkbar ist auch das Gegenteil: Dass diese Störung eine Folge davon ist, dass mit „ADHS“-Kindern anders umgegangen wird als mit gesunden Kindern, und sich ihr Gehirn deshalb anders entwickelt“, verlautet es in der Sendung.
Auf Deutsch heißt das: Kinder, denen man die Diagnose „ADHS“ unterstellt, bekommen (wie auch deren Eltern) Probleme, die sie ohne diese Diagnose gar nicht hätten - und das bezeichnen wir dann als „krank“ und als „Störung“. Ein echtes Kunststück. Vielleicht wird die Medizin deshalb gern auch Heil-Kunst genannt.
Es gibt hyperaktive Kinder, die ein Aufmerksamkeitsdefizit haben. Oder umgekehrt. Für diese Beobachtung hat man eine passende Krankheit erfunden, die „ADHS“ genannt wird, mitsamt dazugehörigen Diagnosen und Therapieansätzen. So machen sich Pharmakonzerne Kunden und Therapeuten machen sich Patienten.
Dummerweise auf Kosten wehrloser Kinder und hilfloser Eltern. Die Kinder sind durch eine solche Diagnose als „gestört“ gebrandmarkt, die Eltern gleich mit dazu, noch abgesehen von fast unvermeidlichen Selbstvorwürfen und etlichen Sorgen.
In einer Folge der Sendung „Faszination Wissen“ wurde allerdings auch sehr schön das Zweifelhafte angesprochen. Irgendwelche Ursachen für „ADHS“ nämlich, also Krankheitsursachen, sind mindestens blanke Spekulation.
Zum Beispiel die Idee, es müsse sich um „fehlgeschaltete Gene“ handeln. Eine bloße Vermutung, mit der dennoch fachlich argumentiert wird: „Wir können schon – ohne jemals ein Gen untersucht zu haben – sagen, es müssen Gene sein, die dafür verantwortlich sind“, spricht ein Prof. Dr. Marcel Romanos, Kinder- und Jugendpsychiater an der Uni Würzburg. Das ist mal echt wissenschaftlich.
So hieß es in der Sendung: „Falsch geschaltete Gene verhindern, dass Botenstoffe in ausreichender Menge erzeugt werden. Weil die fehlen, werden Signale in Nervenzellen nicht richtig übertragen. Die Folge: Eine Funktionsstörung im Gehirn“. Aha. So lässt sich neben der Genforschung ganz elegant auch wieder einmal die Hirnforschung in dem Geschwafel unterbringen. Es liegt schließlich beides voll im Trend, ganz gleich, worum es geht.
Jedoch, so in der Sendung weiter: „Ein großes Problem aber gibt es: Bis heute hat man die Gene, die ADHS verursachen sollen, nicht gefunden. Auch die angenommene Störung im Gehirn ist bis heute nicht bewiesen. Schon seit Jahren suchen Hirnforscher nach Beweisen“.
Kurz gesagt: Man weiß nichts. Man vermutet Ursachen, die man nicht findet. Man vermutet Zusammenhänge, die man nicht nachweisen kann. Aber trotzig besteht man darauf, dass „ADHS“ als Krankheit existiert. Basta. Wozu haben wir sonst die Diagnosemethoden und Therapieverfahren entwickelt.
Und dann kam Prof. Dr. Kerstin Konrad zu Wort, Neuropsychologin an der RWTH Aachen, und berichtet, dass Gehirnregionen, die für die Impulskontrollen zuständig seien, bei „ADHS“-Betroffenen nicht richtig arbeiten würden. Doch das sei noch immer kein Beweis für irgendetwas, denn:
„Das (ein Beweis) ist es in der Regel eher nicht, weil wir ja Patienten untersuchen, die schon erkrankt sind, und wir damit nicht ganz sicher sein können, sehen wir das Ergebnis der Erkrankung oder führt das, was wir sehen, zur Ausbildung der Erkrankung“.
An solchen Stellen fällt mir immer Bazon Brock ein: „Das Wesen von Wissenschaft ist es nicht, Probleme zu lösen, sondern es besteht im Problematisieren selbst“. So eben auch im Falle von „ADHS“. Und hier lässt man es sich nicht entgehen, auch das Leben an sich als Ursache zu vermuten und zum Problem zu machen:
„Unter Medizinern ist höchst umstritten, ob eine Stoffwechselstörung im Gehirn „ADHS“ verursacht. Denkbar ist auch das Gegenteil: Dass diese Störung eine Folge davon ist, dass mit „ADHS“-Kindern anders umgegangen wird als mit gesunden Kindern, und sich ihr Gehirn deshalb anders entwickelt“, verlautet es in der Sendung.
Auf Deutsch heißt das: Kinder, denen man die Diagnose „ADHS“ unterstellt, bekommen (wie auch deren Eltern) Probleme, die sie ohne diese Diagnose gar nicht hätten - und das bezeichnen wir dann als „krank“ und als „Störung“. Ein echtes Kunststück. Vielleicht wird die Medizin deshalb gern auch Heil-Kunst genannt.
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Donnerstag, 31. März 2016
sichtlich daneben
Wortwörtlich sehenden Auges werden unsere Kinder in der Schule planmäßig fehlgebildet, nämlich institutionell, nach Lehrplan. Und wieder einmal zeigt sich: Diejenigen Schüler, die das Falsche am besten gelernt haben, bekommen die Bestnote. Es ist unglaublich. Und unvermeidlich.
Schon seit mehreren Wochen nehmen die Kinder der 3. Klasse hier an der örtlichen Grundschule das Thema „Auge“ durch. Und mitten drin befindet sich unser Sohn. Ich darf also wieder einmal hautnah erleben, was unser Bildungssystem mit der nächsten Generation so alles anstellt.
Nahezu wöchentlich hat unser Junge einen Heidenspaß, wenn er mir das neueste Lehrmaterial über „das Auge“ präsentiert, und ich dabei regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Wie unser Sohn berichtete, empfindet er bereits im Unterricht eine gewisse Vorfreude auf dieses Ritual.
Es begann mit der Überschrift auf einem Arbeitsblatt: „Was unser Auge sieht“. Nun gut. Unser Magen isst nicht, unsere Füße gehen nicht, und unsere Augen sehen nicht. Allenfalls sehen wir mit den Augen. Über einen solchen Lapsus kann man dabei noch hinwegsehen, bei der Annahme, man wollte hier speziell für Kinder etwas maximal vereinfacht ausdrücken. Sei’s drum.
Der Grat zwischen bewusster Vereinfachung und völliger Falschheit ist jedoch ziemlich schmal. Und das, was die Kinder (in diesem Fall: über das menschliche Auge) lernen, ist zu einem erschreckenden Großteil komplett daneben. Doch die Lehrerin muss das so lehren. Die Schüler müssen das so lernen. Planmäßig.
Aus Platzgründen hier beschränkt auf das neueste Vorkommnis: Angeblich sieht unser Auge ein Bild von unserer Umwelt, das durch die Pupille und die Linse auf die Netzhaut projeziert wird, allerdings falsch herum. Der Sehnerv leitet das Ganze an unser Gehirn weiter, das dieses Bild für uns wieder richtig herum dreht.
Jedoch: Nein. Nein. Und nochmals: Nein. Da ist kein „Bild“. Da sind keine „Bilder“ um uns herum, die unsere Augen sehen würden. Wir leben nicht in einem Spielfilm. Noch nicht einmal die gängige Ersatzerklärung ist korrekt, dass es sich um Lichtwellen handeln würde, die von Objekten reflektiert würden.
Unser Gehirn ist ein Organ, ein Nervenbündel, ein Klumpen aus Fett, organischen Verbindungen und Elektrolyten, und besteht zu 80% bis 90% aus Wasser. Darin ist es stockdunkel, nirgends darin ist Licht, nicht eine einzige Lichtwelle, geschweige denn ganze „Bilder“.
Wir haben hier – wie so oft, vor allem – ein sprachliches Problem, knifflige Phänomene überhaupt mit Worten zu erklären, und das dann auch noch „altersgerecht zu vereinfachen“. Das viel größere Problem ist jedoch, wenn im Ergebnis rein gar nichts „vereinfacht“, sondern zu 100% falsch ist. Mitten in unserem Zeitalter der Bildung und des Wissens.
Schon seit mehreren Wochen nehmen die Kinder der 3. Klasse hier an der örtlichen Grundschule das Thema „Auge“ durch. Und mitten drin befindet sich unser Sohn. Ich darf also wieder einmal hautnah erleben, was unser Bildungssystem mit der nächsten Generation so alles anstellt.
Nahezu wöchentlich hat unser Junge einen Heidenspaß, wenn er mir das neueste Lehrmaterial über „das Auge“ präsentiert, und ich dabei regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Wie unser Sohn berichtete, empfindet er bereits im Unterricht eine gewisse Vorfreude auf dieses Ritual.
Es begann mit der Überschrift auf einem Arbeitsblatt: „Was unser Auge sieht“. Nun gut. Unser Magen isst nicht, unsere Füße gehen nicht, und unsere Augen sehen nicht. Allenfalls sehen wir mit den Augen. Über einen solchen Lapsus kann man dabei noch hinwegsehen, bei der Annahme, man wollte hier speziell für Kinder etwas maximal vereinfacht ausdrücken. Sei’s drum.
Der Grat zwischen bewusster Vereinfachung und völliger Falschheit ist jedoch ziemlich schmal. Und das, was die Kinder (in diesem Fall: über das menschliche Auge) lernen, ist zu einem erschreckenden Großteil komplett daneben. Doch die Lehrerin muss das so lehren. Die Schüler müssen das so lernen. Planmäßig.
Aus Platzgründen hier beschränkt auf das neueste Vorkommnis: Angeblich sieht unser Auge ein Bild von unserer Umwelt, das durch die Pupille und die Linse auf die Netzhaut projeziert wird, allerdings falsch herum. Der Sehnerv leitet das Ganze an unser Gehirn weiter, das dieses Bild für uns wieder richtig herum dreht.
Jedoch: Nein. Nein. Und nochmals: Nein. Da ist kein „Bild“. Da sind keine „Bilder“ um uns herum, die unsere Augen sehen würden. Wir leben nicht in einem Spielfilm. Noch nicht einmal die gängige Ersatzerklärung ist korrekt, dass es sich um Lichtwellen handeln würde, die von Objekten reflektiert würden.
Unser Gehirn ist ein Organ, ein Nervenbündel, ein Klumpen aus Fett, organischen Verbindungen und Elektrolyten, und besteht zu 80% bis 90% aus Wasser. Darin ist es stockdunkel, nirgends darin ist Licht, nicht eine einzige Lichtwelle, geschweige denn ganze „Bilder“.
Wir haben hier – wie so oft, vor allem – ein sprachliches Problem, knifflige Phänomene überhaupt mit Worten zu erklären, und das dann auch noch „altersgerecht zu vereinfachen“. Das viel größere Problem ist jedoch, wenn im Ergebnis rein gar nichts „vereinfacht“, sondern zu 100% falsch ist. Mitten in unserem Zeitalter der Bildung und des Wissens.
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Montag, 21. März 2016
merkwürdig überfremdet
Man kann der medialen Dauer-Beschwörung der Flüchtlingsproblematik nicht entkommen. Kaum, dass ein Problem ausgeschlachtet erscheint, sucht man sich ein anderes; Hauptsache, es dreht sich um Flüchtlinge. Da müssen uns leider schon einmal parolige Schlagworte zur Meinungsbildung ausreichen. Dumm aber auch.
Wie lautete da noch die Begleitinformation zu einer Talkshow: „Wie groß ist die Angst vor einer Überfremdung?“. Ich halte das für eine hochinteressante Wortkreation. Aber was soll das eigentlich genau heißen? Oder: bedeuten?
Wenn womöglich eine Über-fremdung stattfindet, also quasi eine übermäßige Fremdheit, noch weit fremder als fremd, dann muss das wohl die Steigerung einer ansonsten noch maßvollen Fremdung sein. Aha. Ich finde das etwas merkwürdig.
Doch ich bin mir ziemlich sicher: Man soll sich derartige Fragen gar nicht stellen. Man soll sich doch bitte einfach eine Meinung bilden, und sich nicht mit Haarspaltereien aufhalten. Man wird sich doch schließlich denken können, was gemeint ist.
Also: Fühlen Sie sich nun überfremdet oder (noch) nicht und/oder haben Sie Angst davor? Denken Sie nicht lange darüber nach, ansonsten meint man noch, Sie als erwachsener Wahlberechtigter würden sich vor der Antwort drücken.
Aber eine Antwort wird schließlich für die Meinungsumfragen gebraucht. Damit wir alle wissen, wie wir alle oder mehrheitlich denken. Und wie die Stimmung im Land ist, das müssen schließlich – gefälligst – auch die Politiker, die Volksvertreter wissen.
Auch wenn keiner weiß, worüber man eigentlich genau redet: das Volk will ordentlich vertreten werden, bevor es überfremdet. Und wenn das in den Talkshows nicht endlich geklärt wird, geht das Volk eben auf die Straße und wird zu Protestwählern. Was bleibt ihm anderes übrig, dem Volk?
Wie lautete da noch die Begleitinformation zu einer Talkshow: „Wie groß ist die Angst vor einer Überfremdung?“. Ich halte das für eine hochinteressante Wortkreation. Aber was soll das eigentlich genau heißen? Oder: bedeuten?
Wenn womöglich eine Über-fremdung stattfindet, also quasi eine übermäßige Fremdheit, noch weit fremder als fremd, dann muss das wohl die Steigerung einer ansonsten noch maßvollen Fremdung sein. Aha. Ich finde das etwas merkwürdig.
Doch ich bin mir ziemlich sicher: Man soll sich derartige Fragen gar nicht stellen. Man soll sich doch bitte einfach eine Meinung bilden, und sich nicht mit Haarspaltereien aufhalten. Man wird sich doch schließlich denken können, was gemeint ist.
Also: Fühlen Sie sich nun überfremdet oder (noch) nicht und/oder haben Sie Angst davor? Denken Sie nicht lange darüber nach, ansonsten meint man noch, Sie als erwachsener Wahlberechtigter würden sich vor der Antwort drücken.
Aber eine Antwort wird schließlich für die Meinungsumfragen gebraucht. Damit wir alle wissen, wie wir alle oder mehrheitlich denken. Und wie die Stimmung im Land ist, das müssen schließlich – gefälligst – auch die Politiker, die Volksvertreter wissen.
Auch wenn keiner weiß, worüber man eigentlich genau redet: das Volk will ordentlich vertreten werden, bevor es überfremdet. Und wenn das in den Talkshows nicht endlich geklärt wird, geht das Volk eben auf die Straße und wird zu Protestwählern. Was bleibt ihm anderes übrig, dem Volk?
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Donnerstag, 17. März 2016
krankhaft berechnend
So etwas wie „gesunde Ernährung“ gehört heute angeblich zur Bildung mit dazu. Jedenfalls versucht man das so zu etablieren. Zum Beispiel steht an immer mehr Schulen „Ernährungslehre“ auf dem Stundenplan. Dabei benötigt man vor allem eines: Eine ganze Menge Vertrauen in die Rechenkünste von Experten.
Man hat uns allen sehr erfolgreich in die Köpfe gesetzt, dass nur ganz allein die Wissenschaft in der Lage ist, etwas über „die Wahrheit“ herauszufinden, über „richtig“ und „falsch“. Das hat man für sämtliche Lebensbereiche als Glaubenssatz installiert, und einer davon ist die Medizin.
Ein Hauptmerkmal der Wissenschaften wiederum ist es, mit Zahlen zu hantieren, um mit irgendwelchen Formeln irgendetwas rechnerisch nach- und beweisen zu wollen. Dabei vergisst man gern schon einmal zu fragen, welche Relevanz die Zahlen eigentlich haben, mit denen freihändig jongliert wird.
Und das eben auch in der Medizin. Und deshalb – inzwischen – auch in sämtlichen persönlichen Gesundheitsfragen. Die einen zählen beim Joggen außer Schritten auch ihre Pulsschläge, andere zählen ihre Kalorien mit dem Body-Mass-Index im Hinterkopf, etc. Die Möglichkeiten sind heute vielfältig.
Fitness und Gesundheit sind also offenbar nur eine Frage der Berechnung und Kalkulation, am besten gleich digital per „App“. Irgendwann wird man vielleicht noch den „IQ“ mit einbeziehen, denn der wird schließlich ebenfalls berechnet – und wie man oftmals hört, leben gebildete Menschen auch viel gesünder.
Mitten in diesen heutigen Fitness- und Gesundheitswahn platzte da kürzlich die Meldung, dass ausgerechnet das Non-plus-ultra der gesunden Ernährung, nämlich Obst und Gemüse, sehr ungesund vollgestopft sind mit Resten von Pestiziden, wie Proquinazid, Penconazol, Pyrimethanil, Spirotetramat, Chlorantraniliprol, Famoxadon, Fenhexamid, Indoxacarb und Metrafenone.
Mit all dem, was man sonst noch weiß (oder: in unserem „Zeitalter der totalen Information“ erfahren kann), reichern wir unsere Körperchemie täglich mit über 5000 Chemikalien zusätzlich an, über Shampoos und Cremes, über Lebensmittelzusatzstoffe, über das Leitungswasser und unser aller Atemluft.
Nichts davon ist „rein“, alles enthält irgendwelche Reststoffe in Restmengen. Für alles das gibt es „Grenzwerte“, die als „noch unbedenklich“ gelten. Und der Maßstab der „Unbedenklichkeit“ ist die Wirkung von Stoffen und Restmengen auf einen „durchschnittlichen, gesunden Erwachsenen“.
Problematisch ist natürlich, wenn man leider nicht in diesen Durchschnitt fällt. Und problematisch ist alleine bereits die Definition von „Gesundheit“. Und dann erst stellt sich die Frage, ob man den Berechnungen und Kalkulationen und streng wissenschaftlich errechneten Grenzwerten von Experten glauben will.
Außer, das ganze Nachdenken darüber ist einem zu mühsam, klammert sich lieber weiter an die etablierten Glaubenssätze, raucht nicht, trinkt nicht, isst frisches Obst und Gemüse, bei viel Bewegung an der frischen Luft. Achja…: und die Erde ist eine Scheibe.
Man hat uns allen sehr erfolgreich in die Köpfe gesetzt, dass nur ganz allein die Wissenschaft in der Lage ist, etwas über „die Wahrheit“ herauszufinden, über „richtig“ und „falsch“. Das hat man für sämtliche Lebensbereiche als Glaubenssatz installiert, und einer davon ist die Medizin.
Ein Hauptmerkmal der Wissenschaften wiederum ist es, mit Zahlen zu hantieren, um mit irgendwelchen Formeln irgendetwas rechnerisch nach- und beweisen zu wollen. Dabei vergisst man gern schon einmal zu fragen, welche Relevanz die Zahlen eigentlich haben, mit denen freihändig jongliert wird.
Und das eben auch in der Medizin. Und deshalb – inzwischen – auch in sämtlichen persönlichen Gesundheitsfragen. Die einen zählen beim Joggen außer Schritten auch ihre Pulsschläge, andere zählen ihre Kalorien mit dem Body-Mass-Index im Hinterkopf, etc. Die Möglichkeiten sind heute vielfältig.
Fitness und Gesundheit sind also offenbar nur eine Frage der Berechnung und Kalkulation, am besten gleich digital per „App“. Irgendwann wird man vielleicht noch den „IQ“ mit einbeziehen, denn der wird schließlich ebenfalls berechnet – und wie man oftmals hört, leben gebildete Menschen auch viel gesünder.
Mitten in diesen heutigen Fitness- und Gesundheitswahn platzte da kürzlich die Meldung, dass ausgerechnet das Non-plus-ultra der gesunden Ernährung, nämlich Obst und Gemüse, sehr ungesund vollgestopft sind mit Resten von Pestiziden, wie Proquinazid, Penconazol, Pyrimethanil, Spirotetramat, Chlorantraniliprol, Famoxadon, Fenhexamid, Indoxacarb und Metrafenone.
Mit all dem, was man sonst noch weiß (oder: in unserem „Zeitalter der totalen Information“ erfahren kann), reichern wir unsere Körperchemie täglich mit über 5000 Chemikalien zusätzlich an, über Shampoos und Cremes, über Lebensmittelzusatzstoffe, über das Leitungswasser und unser aller Atemluft.
Nichts davon ist „rein“, alles enthält irgendwelche Reststoffe in Restmengen. Für alles das gibt es „Grenzwerte“, die als „noch unbedenklich“ gelten. Und der Maßstab der „Unbedenklichkeit“ ist die Wirkung von Stoffen und Restmengen auf einen „durchschnittlichen, gesunden Erwachsenen“.
Problematisch ist natürlich, wenn man leider nicht in diesen Durchschnitt fällt. Und problematisch ist alleine bereits die Definition von „Gesundheit“. Und dann erst stellt sich die Frage, ob man den Berechnungen und Kalkulationen und streng wissenschaftlich errechneten Grenzwerten von Experten glauben will.
Außer, das ganze Nachdenken darüber ist einem zu mühsam, klammert sich lieber weiter an die etablierten Glaubenssätze, raucht nicht, trinkt nicht, isst frisches Obst und Gemüse, bei viel Bewegung an der frischen Luft. Achja…: und die Erde ist eine Scheibe.
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Freitag, 11. März 2016
zivilisiert gebildet
Da wurde kürzlich im Radio vermeldet, der bekannte Entertainer Harald Schmidt sei nicht nur ein bekannter Entertainer, sondern „er engagiert sich auch sozial“. Sieh an. Herr Schmidt sei jetzt im Kuratorium einer Stiftung, die sich für die Bildung von Kindern in Afrika einsetzt. Sieh an.
So dehnbar ist der Begriff „soziales Engagement“. Für mich sind das Menschen, die im Dezember bei Eiseskälte mitten in der Nacht Flüchtlinge erstversorgt haben. Oder Menschen, die sich in den Bahnhofsmissionen mit der Suppenkelle in der Hand um Obdachlose kümmern. Oder Menschen, die bei den „Tafeln“ arbeiten.
Harald Schmidt dagegen wird zweimal im Jahr bei einem Tässchen Tee irgendeinen wichtigen Bericht mitunterzeichnen; das jedoch immerhin „sozial engagiert“. Alles übrige ist ein trockenes Win-Win-Geschäft: Die Stiftung deutet beim Spendensammeln auf den prominenten Namen in ihrer Imagebroschüre, und Herr Schmidt steht jetzt als Wohltäter da.
Aber natürlich: wenn es doch darum geht, den armen Kindern in Afrika zu helfen, nicht wahr. An dieser Stelle frage ich mich regelmäßig, ob es da irgendjemanden weit und breit gibt, der so etwas ähnliches wie ein „Gesamtkonzept“ hat? Oder zumindest den Hauch einer Idee davon.
In all unserer arroganten Überweisheit lassen wir also Kindern in (zum Beispiel) Afrika zukommen, was wir für „Bildung“ halten. Und dann? Wenn die nächsten Generationen von Afrikanern dann endlich so umfassend gebildet sind, wie wir Mitteleuropäer, insbesondere wir Deutschen… was dann?
Da werden visionäre Idealbilder gemalt von einem Afrika, das sich Dank seiner gebildeten Menschen u.a. technologisch und wirtschaftlich emanzipiert und entwickelt, allmählich irgendwohin, wo wir in Europa längst sind. Prima. Und dann?
Vor allem haben wir dann etliche neue Absatzmärkte für unsere deutsche Wirtschaft: von Waschmaschine, Kühlschrank und Eierkocher bis zum Fernseher und Auto braucht dann jeder Afrikaner alles, was jeder Europäer standardmäßig längst besitzt. Es müssen ganze Infrastrukturen errichtet werden, Kraftwerke, Kläranlagen, Ver- und Entsorgungsnetze, etc etc.
Was dann passiert, kann man u.a. in Kuala Lumpur besichtigen. Dort hat man genau das mit ökonomischer Gewalt praktiziert. Aus einem mittelgroßen Städtchen am Rande des Urwalds hat man mit Hilfe von Investoren und Konzernen in relativ kurzer Zeit eine Metropole aus dem Boden gestampft.
Die vorher ungebildeten, armen Menschen leben jetzt woanders, irgendwo am Stadtrand, in irgeneinem Slum. Und die gebildeteren haben jetzt all die Probleme, die man in solchen Städten üblicherweise hat: Verkehrsstaus, Abgase, Lärm, Stress und die üblichen Zivilisationskrankheiten, Allergien, Rückenschmerzen, etc, die vorher niemand hatte, um die sich jetzt Experten kümmern, die vorher niemand brauchte.
So dehnbar ist der Begriff „soziales Engagement“. Für mich sind das Menschen, die im Dezember bei Eiseskälte mitten in der Nacht Flüchtlinge erstversorgt haben. Oder Menschen, die sich in den Bahnhofsmissionen mit der Suppenkelle in der Hand um Obdachlose kümmern. Oder Menschen, die bei den „Tafeln“ arbeiten.
Harald Schmidt dagegen wird zweimal im Jahr bei einem Tässchen Tee irgendeinen wichtigen Bericht mitunterzeichnen; das jedoch immerhin „sozial engagiert“. Alles übrige ist ein trockenes Win-Win-Geschäft: Die Stiftung deutet beim Spendensammeln auf den prominenten Namen in ihrer Imagebroschüre, und Herr Schmidt steht jetzt als Wohltäter da.
Aber natürlich: wenn es doch darum geht, den armen Kindern in Afrika zu helfen, nicht wahr. An dieser Stelle frage ich mich regelmäßig, ob es da irgendjemanden weit und breit gibt, der so etwas ähnliches wie ein „Gesamtkonzept“ hat? Oder zumindest den Hauch einer Idee davon.
In all unserer arroganten Überweisheit lassen wir also Kindern in (zum Beispiel) Afrika zukommen, was wir für „Bildung“ halten. Und dann? Wenn die nächsten Generationen von Afrikanern dann endlich so umfassend gebildet sind, wie wir Mitteleuropäer, insbesondere wir Deutschen… was dann?
Da werden visionäre Idealbilder gemalt von einem Afrika, das sich Dank seiner gebildeten Menschen u.a. technologisch und wirtschaftlich emanzipiert und entwickelt, allmählich irgendwohin, wo wir in Europa längst sind. Prima. Und dann?
Vor allem haben wir dann etliche neue Absatzmärkte für unsere deutsche Wirtschaft: von Waschmaschine, Kühlschrank und Eierkocher bis zum Fernseher und Auto braucht dann jeder Afrikaner alles, was jeder Europäer standardmäßig längst besitzt. Es müssen ganze Infrastrukturen errichtet werden, Kraftwerke, Kläranlagen, Ver- und Entsorgungsnetze, etc etc.
Was dann passiert, kann man u.a. in Kuala Lumpur besichtigen. Dort hat man genau das mit ökonomischer Gewalt praktiziert. Aus einem mittelgroßen Städtchen am Rande des Urwalds hat man mit Hilfe von Investoren und Konzernen in relativ kurzer Zeit eine Metropole aus dem Boden gestampft.
Die vorher ungebildeten, armen Menschen leben jetzt woanders, irgendwo am Stadtrand, in irgeneinem Slum. Und die gebildeteren haben jetzt all die Probleme, die man in solchen Städten üblicherweise hat: Verkehrsstaus, Abgase, Lärm, Stress und die üblichen Zivilisationskrankheiten, Allergien, Rückenschmerzen, etc, die vorher niemand hatte, um die sich jetzt Experten kümmern, die vorher niemand brauchte.
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Bildung,
Politik und Gesellschaft
Freitag, 5. Februar 2016
manierlich ungebildet
Kürzlich verkündete der Gründer von „Facebook“, Marc Zuckerberg, 99% seiner Firmenanteile im Wert von derzeit 45 Miliarden Dollar wohltätig spenden zu wollen, hauptsächlich für den Bildungsbereich. Genauer gesagt: für das, was ein Zuckerberg unter Bildung versteht.
Der „Microsoft“-Gründer Bill Gates und der Großinvestor Warren Buffet riefen im Jahr 2010 die Initiative „Giving Pledge“ ins Leben. Wer hier eintreten möchte, verpflichtet sich, den größten Teil seines Vermögens wohltätig zu spenden. Mitglied sind inzwischen über 130 Milliardäre weltweit. Und nun auch Marc Zuckerberg.
Natürlich klingt das großartig. Doch dahinter steckt vor allem der fragwürdige Glaube, mit Geld könne man Probleme lösen. Und mit mehr Geld: mehr Probleme. Wie irrig dieser Glaube sein kann, offenbart sich aktuell gerade in der vorgeplanten Wohltat des „Facebook“-Gründers.
Ein Großteil der 45 Milliarden des Mr Zuckerberg soll „in Bildung“ fließen: Mit den Worten „Wir müssen die Technologie stärken, um den Wandel voranzutreiben“ will der junge Mann das Lernen durch Technologie optimieren, mittels personalisierter Lernprogramme zugeschnitten auf die Bedürfnisse, Stärken und Schwächen von Schülern. Welch wohlig warme Worte.
Das ist der andere Mythos: HighTech als der ultimative Problemlöser. Dabei zeigt allein schon jeder simple Leergutautomat im Supermarkt das Gegenteil. Und das noch ganz abgesehen von der ständig ignorierten Frage, welches Lernen eigentlich optimiert werden soll, um welche Bildung zu optimieren?
Andeutungsweise war das kürzlich im Spartenkanal „BR alpha“ zu erahnen. Eine Lehrerin, die sich um Schulabgänger kümmert, erklärte: „Ein Schüler mit schlechten Noten aber guten Umgangsformen wird eher eingestellt, als ein Schüler mit guten Noten, aber schlechtem Benehmen“.
Die Rede ist hier von – vermeintlich – einfachsten „Benimmregeln“, angefangen bei „Bitte“ und „Danke“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“, angemessene und saubere Kleidung, Pünkltichkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, etc, etc… alles ganz enorm wichtige Qualitäten u.a. für Teamarbeit und im Kundenkontakt.
Das sind in der Arbeitswelt unter Managern, Personalchefs, in der Berufs- und Karriereberatung heute nicht nur völlig selbstverständliche Anforderungen, sondern (siehe oben) wichtiger als nur gute Noten – also auch wichtiger als jedes noch so optimierte digitale, personalisiert-individualisierte HighTech-Lernen.
Leider jedoch werden „gutes Benehmen“ und Manieren an Schulen in der Regel nicht gelehrt. Es muss vor allem im Elternhaus vorgelebt und praktiziert werden, in der Erziehung, im familiären Miteinander. Das passiert heute immer weniger. Doch da helfen weder Milliardensummen noch digitale HighTech.
Der „Microsoft“-Gründer Bill Gates und der Großinvestor Warren Buffet riefen im Jahr 2010 die Initiative „Giving Pledge“ ins Leben. Wer hier eintreten möchte, verpflichtet sich, den größten Teil seines Vermögens wohltätig zu spenden. Mitglied sind inzwischen über 130 Milliardäre weltweit. Und nun auch Marc Zuckerberg.
Natürlich klingt das großartig. Doch dahinter steckt vor allem der fragwürdige Glaube, mit Geld könne man Probleme lösen. Und mit mehr Geld: mehr Probleme. Wie irrig dieser Glaube sein kann, offenbart sich aktuell gerade in der vorgeplanten Wohltat des „Facebook“-Gründers.
Ein Großteil der 45 Milliarden des Mr Zuckerberg soll „in Bildung“ fließen: Mit den Worten „Wir müssen die Technologie stärken, um den Wandel voranzutreiben“ will der junge Mann das Lernen durch Technologie optimieren, mittels personalisierter Lernprogramme zugeschnitten auf die Bedürfnisse, Stärken und Schwächen von Schülern. Welch wohlig warme Worte.
Das ist der andere Mythos: HighTech als der ultimative Problemlöser. Dabei zeigt allein schon jeder simple Leergutautomat im Supermarkt das Gegenteil. Und das noch ganz abgesehen von der ständig ignorierten Frage, welches Lernen eigentlich optimiert werden soll, um welche Bildung zu optimieren?
Andeutungsweise war das kürzlich im Spartenkanal „BR alpha“ zu erahnen. Eine Lehrerin, die sich um Schulabgänger kümmert, erklärte: „Ein Schüler mit schlechten Noten aber guten Umgangsformen wird eher eingestellt, als ein Schüler mit guten Noten, aber schlechtem Benehmen“.
Die Rede ist hier von – vermeintlich – einfachsten „Benimmregeln“, angefangen bei „Bitte“ und „Danke“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“, angemessene und saubere Kleidung, Pünkltichkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, etc, etc… alles ganz enorm wichtige Qualitäten u.a. für Teamarbeit und im Kundenkontakt.
Das sind in der Arbeitswelt unter Managern, Personalchefs, in der Berufs- und Karriereberatung heute nicht nur völlig selbstverständliche Anforderungen, sondern (siehe oben) wichtiger als nur gute Noten – also auch wichtiger als jedes noch so optimierte digitale, personalisiert-individualisierte HighTech-Lernen.
Leider jedoch werden „gutes Benehmen“ und Manieren an Schulen in der Regel nicht gelehrt. Es muss vor allem im Elternhaus vorgelebt und praktiziert werden, in der Erziehung, im familiären Miteinander. Das passiert heute immer weniger. Doch da helfen weder Milliardensummen noch digitale HighTech.
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Kommunikation,
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Montag, 1. Februar 2016
flüchtig betrachtet (2)
Es wird einfach nicht ruhiger um das Flüchtlingsdauerthema. Am Ende muss man sich noch bei Donald Trump dafür bedanken, dass er sich penetrant in die Schlagzeilen quetscht - und möglicherweise noch ins Weiße Haus. Dennoch gibt es noch immer Bemerkenswertes zu bemerken.
Da kommt mir irgendwo ein Leserbrief unter die Augen, der von einem scheinbar durchaus intelligenten Otto Normalbürger formuliert ist, schwankend zwischen Ironie und Sarkasmus. Das Dumme daran ist jedoch genau dieser Anschein von Intelligenz.
Die erste Aufforderung in diesem Schrieb lautet: „Gehen Sie illegal nach Pakistan, Afghanistan, Irak, Marokko oder die Türkei. […] Wenn Sie dort angekommen sind, fordern Sie umgehend von der lokalen Behörde eine kostenlose medizinische Versorgung für sich und Ihre ganze Familie“.
Was hier ironisch angeprangert wird, dürfte klar sein. Derselbe Autor würde es allerdings exact genauso anprangern, wenn Flüchtlinge nicht untersucht werden würden, und dadurch eine ansteckende Krankheit verbreiten. Hierbei geht es eben längst nicht nur um einen wohltätig kostenlosen Service.
Nebenbei bemerkt weiß man nur durch die sofortige Erstuntersuchung, dass der Anteil der an TBC erkrankten Zuwanderer nicht größer ist als unter deutschen Staatsbürgern. Immerhin: Offenbar wurden ein paar Erkrankte identifiziert. Irgendwie gut, dass man das in Erstuntersuchungen entdeckt hat, oder?
Und weiter in diesem Leserbrief: „Bestehen Sie darauf, dass alle Formulare, Anfragen und Dokumente in Ihre Sprache übersetzt werden“. Das soll ironische Kritik an der Praxis sein, alles mögliche – angefangen bei Hinweisschildern und Laufzetteln – mehrsprachig, sogar auf Arabisch zu verfassen. Mitten in Deutschland. Also wirklich. Unfassbar.
Derselbe Autor wird sich kaum über die gepflegte Mehrsprachigkeit u.a. bei Beschilderungen an Flughäfen und Bahnhöfen stören. Mitten in Deutschland. Im Falle von Zuwanderern wiederum dürfte diese Praxis sämtliche – typisch deutschen – bürokratischen Akte erheblich beschleunigen, …was doch eigentlich gut ist, oder?
Und dann steht in diesem Schrieb u.a. noch: „Behalten Sie unbedingt Ihre ursprüngliche Identität […] Sprechen Sie sowohl zu Hause als auch anderswo nur deutsch“. Der Autor dürfte zugestehen, dass Menschen, die zwanzig, dreißig, vierzig Jahre in einer anderen Kultur gelebt haben, diese Prägung nicht einmal nach einem erfolgreichen Deutsch-Sprachkurs komplett abschütteln können.
Andererseits gibt es sehr wohl Deutsche, die sich anderswo ein neues Leben aufbauen wollen („Wirtschaftsflüchtlinge“), die ihre Auswanderung monatelang planen und vorbereiten… nur einen Sprachkurs halten sie für verzichtbar, und angekommen vor Ort wird erst einmal nach einer deutschen Bäckerei gesucht. Man hält sich weiterhin für Deutsche mitsamt ihrer deutschen Kultur, die nur lediglich anderswo leben.
Man möge sich bitte bewusst machen: Der Ausgangspunkt der ganzen Thematik ist, dass Menschen irgendwo wegflüchten und anderswo – zwangsläufig – Hilfe brauchen. Und Menschen, die Hilfe benötigen, sollte man helfen. Punkt. Alles andere sind (zahlreiche) Folgeprobleme - unter anderem die Meinungsbildung.
Da kommt mir irgendwo ein Leserbrief unter die Augen, der von einem scheinbar durchaus intelligenten Otto Normalbürger formuliert ist, schwankend zwischen Ironie und Sarkasmus. Das Dumme daran ist jedoch genau dieser Anschein von Intelligenz.
Die erste Aufforderung in diesem Schrieb lautet: „Gehen Sie illegal nach Pakistan, Afghanistan, Irak, Marokko oder die Türkei. […] Wenn Sie dort angekommen sind, fordern Sie umgehend von der lokalen Behörde eine kostenlose medizinische Versorgung für sich und Ihre ganze Familie“.
Was hier ironisch angeprangert wird, dürfte klar sein. Derselbe Autor würde es allerdings exact genauso anprangern, wenn Flüchtlinge nicht untersucht werden würden, und dadurch eine ansteckende Krankheit verbreiten. Hierbei geht es eben längst nicht nur um einen wohltätig kostenlosen Service.
Nebenbei bemerkt weiß man nur durch die sofortige Erstuntersuchung, dass der Anteil der an TBC erkrankten Zuwanderer nicht größer ist als unter deutschen Staatsbürgern. Immerhin: Offenbar wurden ein paar Erkrankte identifiziert. Irgendwie gut, dass man das in Erstuntersuchungen entdeckt hat, oder?
Und weiter in diesem Leserbrief: „Bestehen Sie darauf, dass alle Formulare, Anfragen und Dokumente in Ihre Sprache übersetzt werden“. Das soll ironische Kritik an der Praxis sein, alles mögliche – angefangen bei Hinweisschildern und Laufzetteln – mehrsprachig, sogar auf Arabisch zu verfassen. Mitten in Deutschland. Also wirklich. Unfassbar.
Derselbe Autor wird sich kaum über die gepflegte Mehrsprachigkeit u.a. bei Beschilderungen an Flughäfen und Bahnhöfen stören. Mitten in Deutschland. Im Falle von Zuwanderern wiederum dürfte diese Praxis sämtliche – typisch deutschen – bürokratischen Akte erheblich beschleunigen, …was doch eigentlich gut ist, oder?
Und dann steht in diesem Schrieb u.a. noch: „Behalten Sie unbedingt Ihre ursprüngliche Identität […] Sprechen Sie sowohl zu Hause als auch anderswo nur deutsch“. Der Autor dürfte zugestehen, dass Menschen, die zwanzig, dreißig, vierzig Jahre in einer anderen Kultur gelebt haben, diese Prägung nicht einmal nach einem erfolgreichen Deutsch-Sprachkurs komplett abschütteln können.
Andererseits gibt es sehr wohl Deutsche, die sich anderswo ein neues Leben aufbauen wollen („Wirtschaftsflüchtlinge“), die ihre Auswanderung monatelang planen und vorbereiten… nur einen Sprachkurs halten sie für verzichtbar, und angekommen vor Ort wird erst einmal nach einer deutschen Bäckerei gesucht. Man hält sich weiterhin für Deutsche mitsamt ihrer deutschen Kultur, die nur lediglich anderswo leben.
Man möge sich bitte bewusst machen: Der Ausgangspunkt der ganzen Thematik ist, dass Menschen irgendwo wegflüchten und anderswo – zwangsläufig – Hilfe brauchen. Und Menschen, die Hilfe benötigen, sollte man helfen. Punkt. Alles andere sind (zahlreiche) Folgeprobleme - unter anderem die Meinungsbildung.
Stichworte
Bildung,
Gewalt,
Kommunikation,
Politik und Gesellschaft,
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